Update Basel
Vision Basel 2050:
Die Stadt hat unter dem Projektnamen «Update Basel» als Bauherrin diverse Projekte umgesetzt, die als gemeinnützige Bausteine über ganz Basel verteilt dazu beitrugen, Quadratmeter effizienter zu nutzen, Flächen zu teilen, Wege zu verkürzen, räumliche Qualitäten zu erhalten, Ersatzneubauten zu vermeiden, Flexibilitäten zu schaffen, die Vielfalt an und die Identität mit den Orten zu stärken und nicht zuletzt die Biodiversität in der Stadt zu erhöhen. Das Basel der Zukunft gleicht der Stadt der 20er Jahre, und dennoch funktionieren Nachbarschaften ganz anders. Sie sind durchlässiger, vernetzter, resilienter, gesünder, kühler und grüner.
Angelehnt an die «Acht Kriterien für eine hohe Baukultur» (1), die auf die Erklärung von Davos aus dem Jahre 2018 durch die Kulturministerien Europas folgte, wurden in Basel Räume geschaffen, die den Kriterien Gouvernanz, Funktionalität, Umwelt, Wirtschaft, Vielfalt, Kontext, Genius Loci und Schönheit gerecht werden. So konnte die Qualität des Vorhandenen stetig verbessert, soziale Strukturen gestärkt sowie der Klimaerwärmung und dem Biodiversitätsverlust entscheidend entgegengewirkt werden.
Semesteraufgabe: Eine Stadtreparatur
«Die Stadt ist gebaut» (2) sagte 1988 die Stadträtin Ursula Koch an der Hauptversammlung der SIA Sektion Zürich und forderte Respekt vor dem Vorhandenen. Was damals noch für Aufregung sorgte, ist 2023 eine Selbstverständlichkeit. Doch wie kann man eine Stadt, die bereits gebaut ist, fit für die Zukunft machen?
Aufbauend auf die architektursoziologischen Untersuchungen des vorherigen Semesters, beschäftigen wir uns in Gruppen mit zwölf unterschiedlichen Stadtvierteln von Basel. Ziel ist es, Stadtbausteine zu entwerfen, die die Quartiere mit wichtigen öffentlichen Funktionen beleben, welche das Zusammenleben verbessern und das bestehende Quartier lebenswerter für alle machen.
Dafür spüren wir Baulücken auf, Restflächen, nicht genutzte Dachflächen, Durchfahrten oder Bestandsbauten, die wir zu öffentlichen Räumen erklären. Sie sollen eine Relevanz für das städtische Gefüge entwickeln und aus dem Kontext abgeleitete Funktionen übernehmen, die im Bestand fehlen. So soll neues Leben in die bestehenden Strukturen gebracht und Synergien geschaffen werden.
Die so entstandenen Räume werden nicht als Einzelobjekte begriffen, sondern als ein Teil der Strasse und des Quartiers. Jedes Bauwerk hat dabei eine gemeinschaftliche Verantwortung und ist Teil mehrerer vernetzter Lebensräume. Die so gedachten Gebäude, Lückenfüller im Bestand, erweitern die Quartiere um Naherholungsräume, Ausweichflächen, geteilte Nutzungen, öffentliche Orte der Begegnung, des Diskurses, für Kultur und vieles mehr.
Schritt 1: Sachensuche
Im ersten Block des Semesters entwickeln wir einen Blick für die gebaute Stadt, für die vorhandenen Qualitäten und Missstände. Was macht das Quartier aus, was sind seine räumlichen Eigenschaften, sein unverwechselbarer Charakter? Woran halten wir fest, wo ist eine Intervention wünschenswert? Wie kann sich der Ort entwickeln, wo liegen Potentiale, wo ungehobene Schätze? Wie knüpfen wir an die soziologischen Beobachtungen an? Welche spezifischen Stadträume eignen sich hierfür?
Wir diskutieren verschiedene Orte und Konzeptansätze und erarbeiten im Anschluss ein detailliertes Nutzungs- und Raumprogramm für einen Standort. Der gewählte Ort wird aufgemessen und mit Hilfe von Schichtplänen genau analysiert. Auf diesen Grundlagen erarbeiten wir eine Vision für das Quartier im Jahr 2050.
Schritt 2: Adaption
Im zweiten Block entwerfen wir Räume mit den Themen Licht und Schatten, Öffnung und Rückzug, Wegeleitung, Schwellen und Raumhierarchien. Wir definieren das passende Material für unsere Konstruktionen und untersuchen, wie Alt und Neu gefügt werden kann und was eine stimmige Komposition ausmacht. Wir beschäftigen uns mit Brüchen, Fügungen und Bauteilkollagen und diskutieren, wie eine Architektur der Adaption aussehen kann.
Ausgehend von gebauten Referenzen im untersuchten Quartier lernen wir gedämmte Konstruktionen kennen. Wir vertiefen das Verständnis dafür, auf welche konstruktionsbestimmenden Einflüsse, d. h. vor allem physikalischen Gesetzmässigkeiten, das Detail reagieren muss. Wir sammeln und vergleichen gebaute Details, die auf ganz unterschiedliche Art mit dem Thema Wasser, Sonne, Gewicht oder Nutzung umgehen.
Wir nehmen vor Ort die Konstruktionsdetails der Referenzprojekte auf und leiten daraus die Fassadenschnitte ab. Diese Schnitte senden wir im Anschluss an unterschiedliche Extremwetterorte der Welt. Auf diese Art und Weise testen wir, wie sich die Konstruktionen durch klimatische Einflüsse verändern und erörtern, was unter Klimaanpassung zu verstehen ist. Die Erkenntnisse fliessen in die Gestaltung der Projekte ein.
Schritt 3: Passstück
Im letzten Block geht es um die Entwicklung der Details und um den Anschluss an den Bestand. Wir lassen wo möglich Themen wie die Zirkularität, das Bilanzieren oder die Nisthilfen für Tiere aus dem vergangenen Semester in die Projekte einfliessen.
Wir beschäftigen uns mit dem Prozess des Bauens, der ebenfalls grossen Einfluss auf die von uns erdachten Konstruktionen hat und erproben, wie man Bilder mit dem Computer erstellt und für die Vermittlung des Projekts nutzen kann.
Die erarbeiteten Projekte werden wir untereinander und mit Gästen aus Soziologie, Stadtentwicklung und Architektur sowie Ökologie und Ökonomie diskutieren. Auch dieses Semester geht es darum, möglichst ganzheitliche Projekte zu entwickeln. Die Erarbeitung findet in Zweierteams statt mit ergänzenden Einzelarbeiten.
(1) https://www.bak.admin.ch/bak/de/home/baukultur/qualitaet/davos-qualitaetssystem-baukultur.html – eingesehen am 06.02.2013
(2) Schweizer Ingenieur und Architekt Nr. 25, 16. Juni 1988