As found : Südengland

‹As found› in Südengland –
vom Entwerfen mit dem Vorgefundenen

Auf unserer Reise durch Südengland setzen wir uns mit der As-Found-Bewegung der 1950er-Jahre in Grossbritannien auseinander, die sich mit dem Vorhandenen und dem Alltäglichen beschäftigte. Wir besuchen Gebäude von Protagonisten wie Alison und Peter Smithson, die Materialien roh zeigen, Gebrauchsspuren und Zufälligkeiten bestehender Strukturen aufnehmen und Imperfektion oder Mängel in den Entwurfsprozess integrieren. Dabei erweitern wir die damaligen Themen der Nachkriegszeit um aktuelle Fragestellungen der Transformation, der Wiederverwendung von Bauteilen und der Suche nach traditionellen oder alternativen Baumaterialien.

«As found is a small affair: it is about being careful»¹

Bei unserer Rundreise von Dover über Bath und Oxford geht es um das aufmerksame Beobachten, das Wahrnehmen mit allen Sinnen, das Lesen von Spuren, Materialien und Situationen und wie daraus etwas Neues entsteht. Beim Wandern, Reflektieren und Diskutieren möchten wir neue Erkenntnisse gewinnen und verstehen, wie die örtliche Archit­ ekturpraxis mit bestehenden Gebäuden, städtischen Fragmenten und Landschaften umgeht, die durch Zeit, Nutzung, Klima und Anpassung geprägt sind. Angeregt durch die Collagen der As-Found-Bewegung, die Idee des Sammelns und Neuarrangierens und die Frage nach einer stimmigen Verbindung von Neu und Alt verstehen wir die Architektur auf unserer Reise nicht als isolierte, formoptimierte Objekte, sondern als zusammengesetzte, prozesshafte Figuren: eine Assemblage aus Materialien, sozialen Praktiken, räumlichen Situationen, Lebensräumen, Topografien und Umweltbedingungen vor Ort. So kann etwas entstehen, das zugleich einfach, überraschend, irritierend oder auch ganz selbstverständlich wirkt. Unsere Besuche – von historischen wie auch zeitgenössischen Gebäuden über Gärten bis hin zu Landschaften – folgen der Perspektive einer sorgfältigen Weiterentwickelung des Bestands. Sie führen uns vor Augen, wie aus dem Einfachen, aus Stein, der Landschaft, aus alltäglichen Objekten, sowie bestehenden Strukturen, durch Auseinandersetzung und Erfindungskraft Architektur entstehen kann.

¹ Peter Smithson, in «As Found – The Discovery of the Ordinary», ed. by C. Lichtenstein, T. Schregenberger, 2001, S. 198