Giovanni Lombardi (D)

Giovanni Lombardi (1926-2017) war einer der einflussreichsten Schweizer Bauingenieure der Nachkriegszeit, der insbesondere für Tunnel und Staudämme bekannt wurde. 1955 gründete er gemeinsam mit dem Ingenieur Giovanni Gellera ein Büro in Locarno, das er ab 1965 allein weiterführte und aus dem die noch heute bestehende Lombardi Gruppe hervorging. In den 1950er- und 1960er-Jahren realisierte Giovanni Lombardi Projekte vor allem im Tessin, später auch im europäischen und internationalen Ausland. Viele seiner Bauten prägen die Baukultur in einem grossen Massstab, sowohl durch ihre markante Erscheinung als auch durch ihre infrastrukturelle Bedeutung.

Zu den bekanntesten Projekten Lombardis gehört die Verzasca-Staumauer, die ab den 1950er-Jahren geplant und 1965 fertiggestellt wurde. Dieses Bauwerk hat eine grosse Bedeutung aufgrund der technisch innovativen Lösung der Bauaufgabe und im Hinblick auf die Energieversorgung in der Region, aber darüber hinaus auch durch seine ästhetische Wirkung. Die Bogenstaumauer beeindruckt durch ihre Höhe von 220 Metern und die einzigartige Gestaltung der seitlichen Überlaufschanzen und bestimmt mit dem Stausee die Landschaft des Verzascatals in wesentlichem Masse. Wie dieses im Wesen funktionale Bauwerk ästhetisiert werden kann, zeigt sich besonders durch seine Inszenierung im James-Bond-Film GoldenEye (1995).

Neben Staudämmen hat Lombardi auch zahlreiche Tunnel geplant und so die gebaute Umwelt der Schweiz mitgestaltet. Unter diesen ist der Gotthard-Strassentunnel der bekannteste und der folgenreichste in seiner Auswirkung für das Tessin und die Schweiz, wie auch für das gesamteuropäische Verkehrsnetz. Auch an den Planungen und Umsetzungen der Tessiner Autobahn war Lombardi beteiligt, wobei die Tunnelportale vom Architekten Rino Tami gestaltet wurden.

So gibt eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten Giovanni Lombardis unter anderem Anlass, auf allgemeiner Ebene über das Verhältnis von Architektur und Ingenieurbau in der Zeit zwischen 1945 und 1975 nachzudenken. Zentral ist dabei die Bedeutung des Funktionalismus und des Pragmatismus für das Planen und Bauen in jener Zeit, und zwar nicht nur für den Ingenieurbau, sondern auch für die Baukultur insgesamt. Diese Ideengeschichte ist kritisch zu hinterfragen auch in Bezug auf die Wirkung und Wahrnehmung der Baukultur damals und heute.