Dreispitz als Ressource
Dozent: Prof. Barbara Neff & Prof. Bettina Neumann | Assistenz: Patrick Meyer | Begleitung: Andres Nütten
Das Dreispitzareal ist eines der grössten zusammenhängenden Gewerbegebiete der Schweiz. Die Nutzung als Gewerbeareal hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts rasant entwickelt – in den Anfängen lediglich als Materiallager genutzt, beherbergt es heute eine Vielzahl an Gewerbe- und Logistikbetrieben.
Betrachten wir das Dreispitzareal mit einiger Distanz werden wir feststellen, dass dieses weiträumige Gebiet als Teil des Stadtkörpers am Übergang von Basel nach Münchenstein gelesen werden kann. Bei näherer Betrachtung wird man aber unschwer erkennen, dass dieses Industrie- und Gewerbeareal, mit geringem Anspruch an den öffentlichen Raum, wenig Bezug zur Umgebung aufweist. Wir interpretieren diesen Ort deshalb als eine Art Insel, und gleichzeitig, obwohl schon mehrfach beplant, als “terra incognita”, einem Begriff mit welchem in historischer Zeit unbekannte, noch nicht kartographierte Gebiete bezeichnet wurden. Dieser Ansatz soll uns dabei helfen, einen unvoreingenommenen Blick auf das Areal zu werfen und uns diesem mit grösstmöglicher Offenheit und entdeckerischer Neugierde zu begegnen.
Im Zentrum unserer Entwurfsaufgabe wird die Bedeutung des öffentlichen Raumes stehen. Wir wollen den Dreispitz als Stadtlandschaft begreifen, wollen uns den vorhandenen, aber vor allem auch den möglicherweise versteckten, noch zu erforschenden, aussenräumlichen Qualitäten widmen. Auch das Verhältnis zu den angrenzenden Gebieten soll überprüft und gegebenenfalls neu gedacht werden.
Im Verlauf des Semesters entwickeln die Studierenden Szenarien für Infrastrukturprojekte, welche Teil des öffentlichen Raumes sind, oder sich an dessen Schnittstelle befinden. Dabei soll deren Nutzen für die Gesellschaft ausgewiesen werden, und Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen. Uns interessiert dabei die Frage, in welcher Form das Dreispitzareal als Ressource oder als übergeordnete Infrastruktur für das gesamte Gebiet begriffen werden kann, und ob sich dieser Ort darüber hinaus als Übungsanlage für visionäre oder sogar utopische Entwurfsansätze eignen könnte.
FOKUSPROJEKT 1:
Eine Enzyklopädie des Dreispitz
In einem ersten Schritt werden wir das Wesen des Dreispitz erkunden. Wir begeben uns auf Spurensuche, ohne bereits ein konkretes, planerisches Ziel vor Augen zu haben. Ob das Vorhandene ein Potenzial für zukünftige Entwicklungsprozesse darstellt, oder ein Defizit aufzeigt, ist zu Beginn nicht entscheidend. Wir möchten den Ort befragen, Themen für die späteren entwerferischen Prozesse sollen sich aus dem Sichtbarmachen des Vorgefundenen aufdrängen. In Anlehnung an Olafur Eliassons Enzyklopädie werden die Studierenden zusammen ein Nachschlagewerk über das Dreispitzareal erstellen. Sechsundzwanzig den Buchstaben des Alphabets entsprechende, konkrete oder abstrakte Begriffe sollen dabei helfen unseren Horizont zu erweitern, Mehrdeutigkeit zu kreieren und den Ort in seiner Komplexität zu erfassen. Subjektivität wird als Teil dieser Herangehensweise explizit in Kauf genommen. Über das thematische Ausloten der untersuchten Begriffe hinaus, formulieren die Studierenden erste mögliche Entwurfsansätze.
Abgabe als Gruppenarbeit
Enzyklopädie der “terra incognita”
Abgabe als Einzelarbeit
Bildhafte Darstellung der Entwurfsideen in Form von Collagen, Textbeschrieb und freie Darstellung des Findungsprozesses
FOKUSPROJEKT 2:
Ein Infrastrukturprojekt
‘As cities fill up and resources diminish, re-use and bricolage can be invested with new possibilities and meanings to include not only the re-use of buildings and materials but also at a larger territorial scale where the debris of history are as much material for re-use as stone and timber.’
Tom Emerson, ETH Zürich, 2012
Ausgehend von der vorurteilslosen Befragung des Ortes und einer persönlichen Annäherung an den Dreispitz soll im Fokusprojekt 2 aus einem oder mehreren Themen der Enzyklopädie ein Entwurf für ein Infrastrukturprojekt entwickelt werden. Dieses Projekt kann in einem kleinen Eingriff bestehen, über das ganze Areal oder in einer intellektuellen Umdeutung des Vorgefundenen, prozesshaft, temporär oder für die Ewigkeit gedacht sein. Wichtig ist vielmehr auch in dieser Phase, dass gängige Vorstellungen von Infrastruktur überwunden und neue Wege aufgezeigt werden, wie eine zeitgemässe, nachhaltige Intervention einen Beitrag an den öffentlichen Raum zu leisten vermag.
Welche Rolle das Dreispitzareal als materielle oder immaterielle Ressource einnehmen wird, wie ein mögliches ökologisches Potenzial genutzt und das Vorgefundene neu gedacht werden können und was sich aus seinem einmaligen, einzigartigen Wesen ableiten lässt, sind wesentliche Teile der Fragestellung und sollen mit poetischen, eigenständigen und freiraumprägenden Projekten dargelegt werden.
Abgabe als Einzelarbeit
Situationsplan, Mst. projektabhängig, Projektpläne, Mst. projektabhängig, axonometrische Darstellung, Mst. projektabhängig, Collagen
Der exakte Umfang der Abgabe wird im Aufgabenbeschrieb verbindlich formuliert.