Maurin Nissen
SCHWERPUNKT LANDSCHAFT
BADGIR – DAS HAUS ALS KRAFTWERK
Maurin Nissen
Die gezielte Analyse des Flusslaufes der Wiese sowie die Windströmungen des Wiesentals führen zur gewagten Idee, das ehemalige Druckereigebäude der «Basler Zeitung» in ein Kraftwerk umzuwandeln. Die Grundstruktur des Hauses wurde belassen, einzig im Bereich der Windtürme wurden die bereits bestehen- den Atrien bis ins Erdgeschoss weitergeführt. Das offene Erdgeschoss ist begehbar und macht die Neunutzung als Flusskraftwerk und Anlage für Fischzucht erlebbar. Die Fisch- zucht ist Teil der Aquaponik-Anlage in den zwei darüberliegenden Geschossen. Durch die Kombination von Pflanzenanbau in einer Hydrokultur und Fischzucht in einer Aquakultur wird ein Wasserkreislauf geschaffen, der eine ökologische Landwirtschaft mitten in der Stadt ermöglicht. Das Restwasser wird nach aussen in den Gleithang der Wiese geführt und reichert das Grundwasser an. Die identitätsstiftenden Windtürme produzieren Strom und sorgen gleichzeitig zusammen mit den Wasserbecken im Erdgeschoss für ein angenehmes Klima in den drei Büro-Obergeschossen. Das Haus zeigt auf, dass an diesem Ort ein Kraftwerk durchaus Teil der bebauten Stadt werden kann.
Badgir
Die ehemalige Baz-Druckerei stellt ein Produktionskonglomerat dar. Die einzelnen Gebäudeteile werden als industrielle Räume weitergedacht und das gesamte Konglomerat in ein Kraftwerk und eine Nahrungsmittelproduktionsstätte transformiert. Die prägnanten Landschaftslemente, das Wasser und das natürliche Luftströmungsfeld im nordwesten, werden
zu den massgebenden Elementen für die beiden Kraftwerke. Im Hauptbau gehen die beiden Elemente über die drei Windfänger eine Symbiose ein und belüften und kühlen das Gebäude. Abgebrochen werden lediglich einige Stützen und Deckenbereiche. Alle Gebäudeteile bleiben bestehen.
Wasser
Das abgeleitete Wasser produziert über drei Wasserkraftschnecken Strom. Mit einem Gefälle von 3.1 m und den drei Wasserkraftschnecken wird eine mittlere Jahresproduktion von 2.1 Mio. kWh angenommen. Dies entspricht einem Prozent des Kanton Basel-Stadt. Nachdem das Wasser die Wasserkraftschnecken durchflossen hat, wird im Untergeschoss ein Teil abgepumpt und damit die Aquaponik anlage versorgt. Die Fische reichern das Wasser in den offenen Tanks im Erdgeschoss mit Nährstoffen an, um die Pflanzen in dem ersten und zweiten Obergeschoss zu versorgen. Das Wasser wird dann über Welleternitpaneele an der Fassade abgeführt und versickert im Boden. Dadurch wird das Grundwasser angereichert. Das Kraftwerk bildet auch die Erschliessungshalle. Über drei Höhenstaffelungen und das Wasser im Untergrund des mittleren Traktes entsteht ein Puffer zur Strasse hin.
Luft
Die angrenzenden Schwarzwaldausläufer versorgen die Stadt Basel mit kühler Luft. Die ehemahlige Baz Druckerei liegt am nordwestlichen Rand der Stadt und profitiert dadurch davon. Das Gleisfeld im nordwesten sorgt für eine konstante Anströmung der Luft auf das Gebäudekonglomerat. Mit 5 m/s auf einer Höhe von 70m bietet der Standort eine Möglichkeit bereits grössere Windkraftanlagen in Betrieb zu nehmen. Die vertikal rotierenden Rotoren der Anlage sind mit 80 dB verhältnismässig leise und eignen sich gut für den Einsatz in dicht besiedelten Gebieten. Die Türme für die Rotoren funktionieren als Windfänger. Im Norden wird Luft eingefangen und bis ins Erdgeschoss auf die Aquaponikanlage geführt. Die Luft reichert sich mit Feuchtigkeit an und hat einen kühlenden Effekt auf die Umgebung und das Gebäude. Im Süden der Türme befinden sich die Hochdruckkamine. Durch die steigende Warme Luft entsteht eine Sogwirkung und die Hitze wird aus dem Gebäude geführt. Dieses Prinzip findet in persischen Ländern seit hunderten von Jahren Anwendung.
Landschaft
Die Erschliessung des Konglomerates erfolgt im Norden von der Hochbergerstrasse her. Im Süden wird der Hang zur Wiese in die Würmeeiszeit zurückversetzt. Das Gelände wird abgetragen und es entsteht ein nicht begehbarer Gleithang. Dadurch bekommt das kräftige Gebäude den Platz den es benötigt. Der Hang ist auch als eine Art Lichtung zwischen den überquerenden Infrastrukturbauten zu verstehen die die Wiese in Basel stark prägen.
Fassade
Die Fassade der mietbaren Flächen in den drei obersten Geschossen besteht aus zwei Schichten. Während den Sommermonaten ist die äussere Schicht geöffnet und verschattet das Haus. In den Wintermonaten ist sie geschlossen und bildet ein Zwischenklima. Die darin gespeicherten Solarerträge temperieren das Haus. Zusammen mit den Welleternitblechen in den ersten zwei Geschossen entsteht der Eindruck von Kiemen, die das Haus ummanteln.