Zum Beispiel Monthey
Zum Beispiel Monthey – alte Industrien und neue Quartiere
Transformationen begleiten uns in unterschiedlichen Sphären und auf verschiedenen Massstäblichkeiten, sei es als gesamte Gesellschaft oder in der Architektur. Der gesellschaftliche Wandel – durch Bevölkerungswachstum, durch die Alterung der Gesellschaft oder durch den Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft – erfordert kluge Strategien des Wachstums wie der Schrumpfung. Die Anforderungen unseres ökonomischen Systems an den gebauten Raum entwickeln sich kontinuierlich. Während die physische Produktion vielerorts zurückgeht, verändern sich Arbeitsmodelle im Dienstleistungssektor. Und schliesslich stellt der ökologische Wandel unsere Gesellschaft vor immense Herausforderungen. Mit der Klimaerwärmung verändern sich Landschaftsbilder, aber auch die Anforderungen an städtische Aussenräume und Architekturen. Die Schonung von Ressourcen und die Reduktion von Emissionen, aber auch der Schutz vor Hitze und Extremwetterereignissen oder die Förderung der Biodiversität sind als neue, kollektive Aufgaben nicht mehr wegzudenken. Die gebauten Räume von der Landschaft über die Siedlung bis zum einzelnen Bauwerk, in denen wir als Gesellschaft zusammenleben, müssen entsprechend neuen Anforderungen genügen. Die dazugehörigen Planungsprozesse und ästhetischen Ideale wandeln sich in diesem Zuge ebenfalls. Der gesellschaftliche Wandel zieht also auch eine Transformation von Werten und bebauter Umwelt nach sich. Ein Paradebeispiel hierfür stellt die Umwidmung und Transformation obsolet gewordener Industrieareale dar. Als ehemalige Arbeitsstätten und Orte der Produktion sind sie Träger lokaler Identität und erzählen die Geschichten vergangener Epochen weiter. In ihrer Weiterentwicklung steckt neben diesem kulturellen Potenzial auch die Chance, Gemeinden nach innen zu verdichten und der Wohnungsknappheit zu begegnen. Durch Aufbrechen der oft versiegelten Ober!ächen entstehen öffentliche Aussenräume mit eigenem Charakter. Die Weiternutzung von Substanz schont Ressourcen und verleiht Innenräumen gleichzeitig eine besondere Atmosphäre. Anhand zweier ehemaliger Industriestandorte in der Walliser Gemeinde Monthey wollen wir uns mit diesen vielfältigen Fragestellungen der Transformation auseinandersetzen. Auf den verschiedenen Massstabsebenen des Hauses, der Siedlung und der Landschaft untersuchen wir, wie aus den einst hermetischen Produktionsstandorten neue, besondere Lebensräume werden können. Wie vernetzen sich diese neue Quartiere mit dem umliegenden Siedlungsgewebe? Welche Aussen räume und Nutzungsmodelle schaffen lebendige Nachbarschaften? Welche Gebäudetypen passen sich gut in die vorgefundenen Strukturen ein? Und welche konstruktiven und gestalterischen Strategien erfordert dies im Umgang mit dem Bestand?