Veronica Alessi

So(i)lutions

In der Schweiz existieren rund 38’000 belastete Standorte, von denen etwa 4’000 als sanierungsbedürftige Altlasten gelten. Besonders industrielle Areale tragen mit rund 49 % wesentlich zur Bodenverschmutzung bei. Die Sanierung erfolgt häufig durch den Aushub und den Transport des belasteten Materials in spezialisierte Anlagen im Ausland, was mit erheblichen ökologischen Belastungen verbunden ist.Im Rhonetal zeigt sich diese Problematik besonders deutlich. Als historisch gewachsener Industrieraum weist das Tal entlang der Rhone eine hohe Dichte belasteter Industrieflächen auf. Auch in Monthey prägen solche Standorte das Stadtbild. Gleichzeitig bieten sie Potenzial für sogenannte sanfte Sanierungen, bei denen der Boden möglichst vor Ort durch biologische und physikalische Prozesse gereinigt und gleichzeitig neue Nutzungen entwickelt werden.

Um dieses Potenzial zu untersuchen, dient das ehemalige Djeva-Areal, auf dem früher Kunstkristalle produziert wurden, als Testfeld für eine alternative Form der Bodensanierung. Aufgrund seiner moderaten Belastung eignet sich das Gelände für biologische Verfahren mit schadstoffaufnehmenden Pflanzen. An stärker belasteten Stellen ergänzen physikalische Verfahren wie die Bodenwäsche den Sanierungsprozess. Das behandelte Material wird anschliessend nicht entsorgt, sondern als Ressource für neue Materialentwicklungen genutzt. Der Boden wird dabei als aktives Entwurfsmedium verstanden. Seine Regeneration stärkt ökologische und klimatische Funktionen, verbessert Wasserspeicherung, Versickerung und Stadtklima und fördert durch die zirkuläre Nutzung lokaler Ressourcen neue Stoffkreisläufe. Das Areal wird dabei nicht als isolierter Standort betrachtet, sondern als Teil eines übergeordneten Materialkreislaufs. Die vor Ort entwickelten Prozesse können auf weitere Flächen in Monthey übertragen und langfristig zu einem regionalen Netzwerk im gesamten Rhonetal ausgebaut werden.

Mit fortschreitender Sanierung wandelt sich das Areal schrittweise zu einem hybriden Raum aus Landschaft, Produktion und Forschung. Langfristig entsteht eine «Rohstoffschule», in der bestehende Gebäude zu Werkstätten, Lagerflächen und Experimentierorten umgenutzt werden.

So verbindet das Projekt Sanierung, Produktion und Wissensgenerierung und entwickelt ein Modell für die Transformation belasteter Industriestandorte.