White Elephants – Re-Programming Existing Fabric
Inhaltliche Verantwortung: Prof. Johannes Käferstein (HSLU) | Moderation: Annette Helle | Dozierende FHNW: Prof. Matthias Ackermann, Prof. Annette Helle, Prof. Axel Humpert, Prof. Ursula Hürzeler, Prof. Shadi Rahbaran, Prof. Dominique Salathé, Prof. Tim Seidel, Prof. Susanne Vécsey | Assistenz: Vesna Jovanović | Experte: Nik Graber
Ausgangslage
Der Begriff ‹White Elephants› leitet sich von den heiligen weissen Elefanten ab, die von den südostasiatischen Monarchen gehalten wurden. Einen weissen Elefanten zu besitzen galt – und gilt in Thailand und Burma immer noch – als Zeichen dafür, dass der Monarch mit Gerechtigkeit und Macht regierte und dass das Königreich mit Frieden und Wohlstand gesegnet war. Die Monarchen veranschaulichten ihren Besitz von weissen Elefanten oft in ihren formellen Titeln (z.B. Hsinbyushin, lit. ‹Herr des weissen Elefanten› und dritter Monarch der Konbaung-Dynastie). Da die Tiere als heilig galten und nicht zur Arbeit verwendet werden durften, war das Geschenk eines weissen Elefanten gleichzeitig Segen und Fluch. Es war ein Segen, weil das Tier heilig und ein Zeichen der Gunst des Monarchen war, und ein Fluch, weil der Beschenkte nun ein teuer zu erhaltendes Tier hatte, das er nicht weggeben und praktisch nutzen konnte.
EMMI – Sbrinz
1907 gründeten 62 Genossenschaften den Zentralschweizerischen Milchverband Luzern (MVL). 1947 produzierte dieser in Emmen erstmals Weichkäse und Joghurt unter dem von Emmen abgeleiteten Markennamen Emmi. Als man 1993 im Milchverband Luzern die Verbandstätigkeit von den kommerziellen Aktivitäten trennte, entstand die Emmi AG. Diese stieg innert kurzer Zeit zum Branchenführer in Sachen Milchverarbeitung in der Schweiz auf. Seit Dezember 2004 ist Emmi an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange im Segment Schweizer Aktien kotiert. 1926 baute der damalige Milchverband Luzern ein Käselager an der St. Karli-Strasse in Luzern. Der Standort ist noch heute in Betrieb und wurde seit seiner Eröffnung mehrmals umgebaut und vergrössert. Heute lagert an der Reuss die gesamte Sbrinz-Produktion der Schweiz (60‘000 Laibe) im Wert von rund 30 Mio. Franken. Die 40 Kilo schweren Laibe stehen in Regalen aus Weisstannenholz und werden bei 10 bis 14 Grad von neun Mitarbeitenden zu Beginn des Lagerns alle zwei Wochen, später einmal im Monat mit Leinentüchern abgerieben. Der Käse reift bis zu drei Jahre lang.
Aufgabe
Das direkt an der Reuss stehende Käselager der EMMI AG bildet zusammen mit der 1934 erbauten St. Karl Kirche einen Brückenkopf zum dahinterliegenden St. Karli Quartier. Es wurde 1926 erbaut und erfuhr 1961 und 1985 grössere bauliche Eingriffe und Erweiterungen. Von dem einst charaktervollen, im damaligen Landesstil erstellten Gewerbehaus, welches eingeschossig mit schwerem Dach auf einem als Stützmauer ausgebildeten, dreigeschossigem Sockelbau stand, ist nur noch der Sockel und die ursprüngliche Nutzung erhalten. Die Stadt Luzern hat das kleine Gewerbe-Areal mit seinen Aussenbezirken bereits umschlossen. Das Grundstück liegt mittlerweile an bester Lage und Exposition, und es erstaunt, dass die EMMI AG bis heute an diesem wertvollen Standort als Käselager festgehalten hat. In dem gemeinsam mit dem Institut Architektur der HSLU durchgeführten Thesis-Semester möchten wir uns diesem einzigartigen Standort annehmen und uns mit den Themen des Bestands, des Weiterbauens und Aufwertens auseinandersetzen. Wir werden es uns zu Aufgabe machen, das Potential dieses Gewerbe-Areals (Parzellen 1501 und 2830) zu erforschen und mit Wohnraum zu verdichten. Wir sind der Meinung, dass das Gewerbe als Teil eines urbanen innerstädtischen Kontextes unbedingt erhalten werden muss, und nicht in die Agglomeration verdrängt werden darf. In diesem Sinne nehmen wir die 60‘000 Laibe Sbrinz als geschenkten «White Elephant» an, und stellen der EMMI AG weiterhin ein Käselager mit dem dazu gehörenden Umschlagplatz zu Verfügung. Neben der direkten Lage an der Reuss und der anspruchsvollen Auseinandersetzung mit dem modernen Kirchenbau auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke, gilt es die derzeit schwierige städtebauliche Konstellation an der Kreuzung St. Karlistrasse / Spitalstrasse / St. Karli Brücke ins Auge zu fassen und zu klären. Eine präzise Analyse des Bestandes, seiner Struktur und der geltenden Baugesetze wird die Eingriffstiefe der Projektarbeiten bestimmen. Die Anzahl der Wohnungen, Grösse und Ausbaustandart hängen von der jeweiligen konzeptionellen Auslegeordung der Studierenden ab.
Fragestellung
Folgende Fragestellungen sind im Verlauf der Entwurfsarbeit zu beantworten: Welche Elemente des bestehenden Gewerbe-Areals sind erhaltenswert und für eine zusätzliche Wohnnutzung zweckmässig? Wie steht die Wohnanlage in Bezug zum Fluss, dem Hof- und Strassenraum, zum Brückenkopf und zur St. Karl Kirche? Welche Bewohnende sollen mit der neuen Anlage angesprochen werden und welche Wohnungstypen sind dafür geeignet? Wie sieht die Materialisierung des Gebäudekomplexes aus, wie ist es detailliert und welcher architektonische Ausdruck angestrebt?
Begehung
Anfangs Semester finden zwei gemeinsame Begehungen mit Beiträgen zu der städtebaulichen Quartierentwicklung und der Geschichte des Gebäudes statt.
Prof. Dieter Geissbühler, Dozent HSLU
Robert Emmenegger, Standortleiter EMMI Luzern
Betreuung
Die Studierenden werden von einer Entwurfsdozentin, einem Entwurfsdozenten oder einem Entwurfsdozententeam ihrer Wahl sowie von dem eingeladenen Experten begleitet.
Experte
Nik Graber, Graber Steiger Architekten, Luzern
Termine
Ausgabe Thema Thesis: Dienstag 15.09.2020, 11.00 Uhr (FHNW Muttenz)
Begehung Umgebung / Kirche St. Karli: Dienstag 15.09.2020, 16.00 Uhr (Luzern)
Besichtigung Käselager / Referat: Dienstag 22.09.2020, 10.00 Uhr (Luzern)
1. Thesis-Seminar: Mittwoch 28.10.2020 (FHNW Muttenz)
2. Thesis-Seminar: Mittwoch 02.12.2020 (FHNW Muttenz)
Schlussabgabe Pläne: Mittwoch 13.01.2021, 11.00 Uhr
Abgabe Modelle und Thesis-Buch: Montag 18.01.2021, 16.00 Uhr
Schlusskritik: Mittwoch 20.01.21 (HSLU Worb)
Schlussabgabe
Situationsplan 1:500 | mit Angaben zur Umgebung, Erschliessung, Aussenräume
Projektpläne 1:200 | Grundrisse (EG mit Umgebung), Schnitte und Ansichten
Grundrisse 1:100 | Wohnungstypen (möbliert)
Konstruktionsschnitt 1:20 | vertikal und horizontal mit Auschnitt von Innen- und Aussenfassade Visualisierung, Modellfoto o.ä. | mit Aussage zu architektonischem Ausdruck und Charakter der Innenräume
Modelle | Einsatzmodell 1:500, Projektmodell 1:200, Arbeitsmodelle (für alle Präsentationen)
Form: Pläne, liegend, max. 6 A0
Mit der Schlussabgabe ist das Thesisbuch abzugeben, welches die Thesis-Arbeit reflektiert und sie in den Zusammenhang des Studiums stellt.