Hannah Reul

Am nördlichen Rand von Oftringen, eingebettet in eine landwirtschaftlich geprägte Landschaft, entsteht mit Montmemento ein interreligiöser Friedhof, der auf das wachsende Bedürfnis nach einer gemischten Bestattungskultur reagiert. Zentrales Entwurfselement ist die natürliche Hanglage, die durch ein System aus Terrassen entlang von 0,5 m-Höhenlinien aktiviert wird. Die einzelnen Ebenen, zwischen 1,5 und 3 m hoch, verschieben sich ineinander, greifen in die Landschaft und strukturieren das Gelände in klar ablesbare Räume. Die Topografie wird zum Träger der räumlichen und spirituellen Organisation. Jede dieser Terrassen nimmt ein eigenes Programm auf, das auf die Bedürfnisse verschiedener Religionsgemeinschaften reagiert: eine Kapelle für christliche Zeremonien, ein Gebetsraum mit Waschbereich für muslimische Rituale, ein Krematorium für Feuerbestattungen sowie ein offener Pavillon Versammlungen oder gemeinsame Trauerfeiern. Durch die Terrassierung entstehen Übergänge – keine Hierarchien. Jede Religion erhält ihren Raum, ohne andere zu dominieren. Ein Netzwerk aus Treppen und Rampen verbindet die Ebenen barrierefrei. Unterschiedliche Bodenbeläge – vom geschotterten Wegenetz zu fest gepflasterten Plätzen – schaffen ein differenziertes Erleben. Auch die Grabarten sind vielfältig: Einzelgräber, Familiengräber, Urnennischen, Wandgräber und Aromafelder fügen sich in das Gefüge ein und ermöglichen individuelle Formen der Erinnerung. Die Architektur selbst entwickelt sich direkt aus der Landschaft. Stampfbeton formt die Terrassenmauern, aus denen die Gebäude nahtlos hervorgehen. Ihre Dächer bestehen aus wiederverwendeten Stahlträgern und Wellblech, übernommen von der nahegelegenen Fiege-Spedition. Obwohl Montmemento ein Friedhof ist, soll er nicht ausschließlich von Trauer geprägt sein. Die Offenheit der Anlage, die Durchlässigkeit der Wege und die Einbindung in die Landschaft laden auch zum Gehen, Verweilen und Nachdenken ein.

Umgebungsplan
Geländeschnitt
Übersichtsplan
Schwarzplan
räumliche Skizze