Max Kresse
Monument als Reflexion über Zeit, Prozess und Zufall
Monument als Banalität und Zweckmässigkeit
Monument als Poetik und Ironie
Monument als Moment
Umgang mit Aushubmaterial
In der Schweiz werden jährlich rund 57 Millionen Tonnen Aushub- und Ausbruchmaterial bewegt, wovon rund 75 % recycelt und wiederverwendet werden. Der restliche Teil des verbleibenden Aushubs muss umweltverträglich entsorgt werden. Ob und wie das Aushubmaterial verwertet oder deponiert werden kann, hängt wesentlich von der Qualität des Aushubmaterials ab. Verschiedene Deponien und Kiesgruben, die meist außerhalb des Blickfeldes der Bevölkerung liegen, bieten große Kapazitäten zur Auffüllung. Die konstante Entwicklung der Aushubmengen in den nächsten Jahren zeigt jedoch, dass die heute gesetzlich vorgesehenen bzw. verfügbaren Entsorgungswege diese Mengen langfristig nicht mehr vollständig aufnehmen können. Der Aushub generiert eigene Transportwege innerhalb der Schweiz sowie nach Deutschland und Frankreich. Im Kanton Aargau werden 2022 rund 2.7 Mio. m3 Material abgelagert. 40% der gesamten Ablagerungen sind Importe aus anderen Kantonen. Geld verdient der Kanton mit der Annahme von Aushubmaterial. 2.2 Mio. Tonnen Material wurden in Kiesgruben verfüllt. In Aargau wird in 42 Gruben Kies abgebaut und in 49 Gruben Aushubmaterial verfüllt. Grundsätzlich nimmt das geschätzte verfügbare Leervolumen der Gruben in Zukunft ab. Verfügbare Gruben verschwinden und ein Umgang mit dem Aushubmaterial muss gefunden werden. Die Grube Born wurde zwischen 2004 und 2010 vollständig verfüllt. Heute ist das gewachsene Gelände des rund 36.000 m2 großen Areals auf Straßenniveau angeglichen. Alle Spuren der früheren Ausgrabungen sind überdeckt. In den Städten Aarburg, Oftringen und Zofingen gibt es keine Leervolumen zum Auffüllen. Anstatt den Aushub als Abfall zu betrachten und weiterhin in Halden zu deponieren, schlägt das Projekt vor, den Aushub als landschaftsbildendes Element zu nutzen, um dem Ort Oftringen einen neuen öffentlichen und aneignungsfähigen Freiraum zu geben.
*BAFU, 2022
Das Unsichbare sichtbar machen
Die Idee des Areals stellt einen wichtigen Teil des gesamten Landschaftsraumes rund um und in Oftringen dar. Der Eingriff balanciert zwischen räumlich natürlichen Wachstum und Verformungen durch Nutzungen. Die Landschaft bildet einen Bruch als Leerstelle im Stadtraum. Kontraste zwischen Infrastrukturen und Fauna, Offenheit und Geschlossenheit, Weite und Nähe prägen die räumliche Atmosphäre. Die Landschaft macht sichtbar, was unsichtbar gehalten wird. Aushub als geldbringendes Abfallprodukt wird als Potenzial begriffen. Die Borngrube erreichte 1960 ihre größte Ausdehnung, ab den 1970er Jahren konzentrierte sich der Kiesabbau vor allem auf den westlichen Teil des Geländes. Die Gestalt der Grube bis in die 2000er Jahre zeigte ein Landschaftsmonument in unmittelbarer Einrahmung durch immer dichter werdende Wohnquartiere. Als Gegenvorschlag zur Auffüllung soll das verschwundene Monument wieder präsent werden. Eine neue Landschaft deutet an, was einmal war, lässt alte Dimensionen sichtbar werden, transformiert sie mit den zukünftigen Herausforderungen des anfallenden Aushubs und bewegt sich als Palimsest zwischen Wachstum und Ausgrabung. Ein Theater- und Kulturareal Oftringen als sich zur Stadt entwickelnde Gemeinde besitzt kaum Orte für Kultur. Die verschüttete Form der Grube soll spürbar werden und dem Ort Raum für ein neues Theater- und Kulturareal bieten. Ein Freiraum, welcher für alle zugänglich, offen und nutzbar wird. Temporäre und leichte Architekturen fügen sich in die Landschaft ein. Sie sind veränderbar, beweglich und non-invasiv. Die jährlich hinzukommende Aushublandschaft bildet die Kulisse. Der Verschiebung der bisherigen Aufschüttung auf dem Gelände und damit der Aushub des Theaters zeigt den Beginn des Wachstums, er unterstützt die Annahme, dass der anfallende Aushub auf dem Perimeter verbleiben soll und ein Umgang damit gefunden werden muss. Durch das ständige Nachschütten bleibt die Landschaft in Bewegung, breitet sich in die Weite sowie in die Höhe aus und lässt eine sich immer wieder verändernde Kulisse im Hintergrund entstehen. Einzelne Erdhügel wachsen zusammen und beeinflussen die Silhouette des Ortes. Ähnlich einer Veränderung der Szenografie des Theaters, ändert sich auch dessen umbaute Hülle und Umgebung.