Max Kresse

Damit die Zeit nicht stehen bleibt – Wohnhochhaus WHH17

Anlass für die Auseinandersetzung ist der grosse Baubestand der Nachkriegsmoderne in der Stadt Dresden. Die Stadtentwicklung ist eng mit Brüchen in der Geschichte verknüpft. Von der barocken Hochkonjunktur bis zu einem sozialistisch geprägten Wiederaufbauprogramm entstand ein Palimpsest verschiedenster Zeitschichten. Die Architektur der Dresdner Ostmoderne ist geprägt von einer strengen, auf Effizienz, Standardisierung und Schnelligkeit ausgerichteten funktionalen Bauweise. Das Wohnhochhaus (WHH) 17 (Geschosse), steht exemplarisch für diese Zeit: ein Typenbau, der mit seiner pragmatischen Struktur und Form das sozialistische Wohnungsbauprogramm widerspiegelt. Der Plattenbau (als vermeintlich gebaute Utopie) basiert auf einem Plattensortiment, begrenzt in Kombinationen und Reduktionen weniger Typen. Die Festschreibung begrenzter Möglichkeiten führt letztendlich zur Erstarrung des ursprünglich variablen Systems.

Die Herangehensweise des Bauens in den 1970er Jahren in der DDR stösst angesichts der heutigen Anforderungen an klimatische Behaglichkeit und nachhaltige Gebäudenutzung zunehmend an ihre Grenzen. Die Strategien des zeitgenössischen Umbaus zielen dabei lediglich auf Lösungen der energetischen Sanierung und „Verfreundlichung“ des städtebaulichen Ausdrucks ab. Ein direktes Weiterdenken der Gebäudesubstanz kann nur aus einem gesamtheitlichen sowie kontextbezogenen Ansatz entstehen. Die gebaute Serialität der Architektur der DDR ermöglicht ein Denken als Methodik, somit kann die Aufgabe auch weitergegeben werden. Ziel ist dabei stets ein „Learning from Process“.

Die Arbeit erforscht, inwieweit der ostmoderne Plattenbaubestand mit Hilfe einer neuen Typenlehre transformiert werden kann. Die Gebäude tragen Versprechen in sich, die über das rein Funktionale hinausgehen, das Versprechen einer Ordnung, die zumindest in ihrer Form Gleichheit proklamiert. Was aber geschieht, wenn die politischen und administrativen Bedingungen, unter denen diese Ordnung entstand, wegfallen? Was bleibt vom Raum, wenn das System, das ihn hervorbrachte, sich aufgelöst hat? Wie kann Architektur auf Verschiebungen politischer, ökonomischer und administrativer Systeme reagieren und Raum für gesellschaftlichen Überdruck lassen?

Im Mittelpunkt steht ein Umgang mit dem Bestand, der individuelle wie kollektive Aneignungsprozesse zulässt, zeitgeschichtliche Schichten ablesbar hält und die Hochhäuser als aktiven Bestandteil eines lebendigen Stadtgefüges weiterentwickeln. Fünf Raumkonzepte unternehmen den Versuch mögliche Antworten auf die Fragestellungen zu finden.