Museum im Wandel

Museum im Wandel

Zwischen Archiv und Aktionsraum

Neue räumliche Konzepte für das Museumsquartier Bern

Im Rahmen der Thesisarbeit ist das Museumsquartier Bern als offener, sich über längere Zeit entwickelnder urbaner Kulturraum neu zu denken. Ausgangspunkt bildet das heutige räumliche Nebeneinander unabhängiger Museen, in dem die bisher primär inhaltliche Zusammenarbeit der autonomen Kulturinstitutionen in eine räumlich erfahrbare Struktur übersetzt werden soll. Die Projektarbeit untersucht, wie aus einer historisch gewachsenen Ansammlung einzelner Museumsbauten ein zusammenhängendes Quartier mit eigener Identität entstehen kann, ohne die Eigenständigkeit der Institutionen aufzugeben.

Zu entwickeln ist ein städtebauliches und freiräumliches Gesamtkonzept für den zentralen Bereich des Museumsquartiers, das Neubauten, Erweiterungen und bestehende Bauten in ein gemeinsames räumliches Gefüge integriert. Im Zentrum steht der Entwurf eines zukunftsweisenden, kollektiven Erweiterungsbaus mit zugehörigem Aussenraum. Der Freiraum bildet dabei Ort der Begegnung, der Orientierung, der Aneignung und des informellen Aufenthalts, aber auch als vermittelnde Schicht zwischen Architektur und Stadtraum. Der Garten wird dabei nicht als abgeschlossener Park verstanden, sondern als räumliches Rückgrat des Quartiers und Bühne für unterschiedliche Nutzungen, Atmosphären und zeitliche Überlagerungen.

Die Thesisarbeit soll das Museumsquartier als Prozess begreifen. Entwurf und Strategie sollen auf eine Entwicklung über 10 bis 20 Jahre reagieren und Etappierungen, temporäre Zustände und bauliche Zwischenphasen nicht als Defizit, sondern als gestalterisches Potenzial behandeln. Gefragt ist ein robustes, zugleich präzises räumliches Konzept, das Veränderungen zulässt, ohne seine innere Logik zu verlieren. Sowohl Bauten wie auch Freiräume sind dabei integrativ zu denken, mit besonderem Augenmerk auf den Erlebniswert für Besucher:innen sowie auf die Wechselwirkungen zwischen öffentlichem Raum, kultureller Nutzung und Alltagsstadt.

Entstehungsgeschichte und Kontext

Das Museumsquartier befindet sich am östlichen Rand der historischen Altstadt, im Übergang zum Kirchenfeldquartier. Es bildet eine bedeutende Schnittstelle zwischen der mittelalterlichen Stadtstruktur und den repräsentativen Stadterweiterungen des späten 19. Jahrhunderts. Seine Entstehung ist eng mit der Erschliessung des Kirchenfelds nach dem Bau der Kirchenfeldbrücke im Jahr 1883 verbunden, die eine gezielte Ansiedlung nationaler Bildungs- und Kulturinstitutionen ermöglichte.

In diesem Kontext entstanden mehrere Museumsbauten, die als freistehende Solitäre in grosszügige Freiräume eingebettet wurden. Trotz der räumlichen Nähe entwickelte sich das Quartier primär als Ansammlung autonomer Einzelbauten. Die hohe Dichte kultureller Institutionen und die zentrale Lage verleihen dem Museumsquartier jedoch eine wichtige kulturelle und städtebauliche Bedeutung über die Stadt Bern hinaus.

Wandel und Zukunft

In jüngerer Zeit hat sich einiges getan: Mit dem Erweiterungsprojekt des Historischen Museums, der geplanten Sanierung der Nationalbibliothek, dem Entwurf für die Neugestaltung des Helvetiaplatzes sowie den temporären Interventionen in den Freiräumen zeichnet sich ein Wandel vom institutionellen Ensemble hin zu einem stärker vernetzten, öffentlich wirksamen Kulturraum ab. Diese Entwicklungen markieren einen Prozess, in dem das Museumsquartier zunehmend als zusammenhängendes urbanes Gefüge neu verhandelt wird