Neustart Dreispitz

Dozent: Prof. Lukas Baumann | Assistenz: Laura Schneider | Begleitung: Axel Schubert

Wohnen ist im Umbruch. Die traditionelle Familienwohnung ist nicht mehr das Mass aller Dinge. Das Bedürfnis nach Wohnformen für Singles, Patchworkfamilien, Clusterhaushalte etc. steigt. Selbst der einfache Umstand, dass Kinder dazukommen und nach einigen Jahren wieder wegziehen, bedarf nach Antworten. Wohnen und Arbeiten vermischen sich und werden ortsungebundener. In diesem Semester gehen wir der Frage nach wieviel Fläche wir uns zukünftig leisten möchten. Welche Räume wollen wir selbst besitzen und welche tauschen und teilen. Was heisst Privatsphäre und was sind sinnvolle Gemeinschaftsflächen.

Das Dreispitzareal ist im Umbruch. Geprägt durch die zahlreichen Lagerbauten des 20. Jahrhunderts, dem Areal typischen Erschliessungsraster durch die identitätsbildenden Gleisanlagen, wird es heute vom reinen Gewerbegebiet zur Mischnutzung von Wohnen und Arbeiten transformiert. Das Areal seinem Charakter entsprechend weiterzuentwickeln, stellt Planende vor eine Herausforderung. Ein sorgfältiger Umgang mit der bestehenden Bausubstanz ist angesagt, indem man sie erhält, erweitert, überbaut oder umnutzt. Wir suchen nach dem austarierten Mass, nach der angemessenen Komposition von Neu und Alt. Uns interessiert das Nebeneinander. Unser Perimeter auf dem Dreispitzareal wird aufgespannt zwischen Leimgrubenweg im Norden, dem Gleisbogen im Osten, der Wien-Strasse im Süden und der Frankfurt-Strasse im Westen.

Angeregt von der Vision “Neustart Schweiz“ entwickeln wir ein Quartier bei dem das Potenzial nachbarschaftlicher Beziehungen ausgelotet und räumliche Form bekommen soll.
“Die Vision von Neustart Schweiz beruht darauf, dass wir aus der Vereinzelung heraustreten und
Nachbarschaften schaffen, in denen rund 500 Bewohnerinnen und Bewohner zusammen wohnen und zum Teil auch arbeiten … Teilen statt besitzen spart wertvolle Ressourcen. Geteilt werden Infrastruktur, Alltagsgegenstände, Dienstleistung usw., was allen, z.B. auch Menschen mit kleinem Einkommen, einen
kostengünstigen Zugang zu einem breiten Angebot ermöglicht.“ (Quelle; https://lena.coop/neustartschweiz)

FOKUSPROJEKT 1

Analyse, Vision und Städtebau

Im Fokusprojekt 1 befassen wir uns mit dem Ort, dem Bestand und der Vision des gemeinschaftlichen Wohnens. Als Vorarbeit in der Gesamtgruppe werden die allgemeinen Grundlagen wie Situationsmodell, Grundrisse, Fassaden und ein Bautenkatalog vom Bestehenden erstellt. Zeitgleich wird in einer Gruppenarbeit zu zweit über die Analyse eine Vision des gemeinschaftlichen Zusammenlebens entwickelt und eine prägnante These zum Städtebau abgeleitet.

Mittels Spaziergängen, Planstudium und der Recherche von Geschichte und Geplantem tauchen wir ein in den Ort. Wir entwickeln ein Verständnis für den Kontext mit seinen Qualitäten und Defiziten. Wir suchen nach Regeln und Hierarchien. Uns interessiert die übergeordnete Struktur genauso wie die Detailausbildung von Sockel und Dach. Wir lernen den Ort zu lesen und seine Vorzüge und Makel zu verstehen. Wir hinterfragen kritisch und differenziert.

Inspiriert von der Analyse und durch das Studium von Referenzen entwickeln wir eine Vision für den Ort und das gemeinschaftliche Zusammenleben. Wie lässt sich ein nachhaltiges Quartier in einem bebauten Stadtteil planen? Welche Gebäude und Regeln nehmen wir mit, ergänzen, deuten um oder ersetzen wir? In welcher Beziehung stehen die Gebäudevolumen zueinander und wie formt sich der Aussenraum? Wie lässt sich Gemeinschaft leben? Wir formulieren die Leitideen. Daraus folgend entsteht die städtebauliche These.

Vorarbeit in der Gesamtgruppe:
Abgabe bis Mo 03.10.22

Situationsmodell 1:500 (Dreispitz)
Situationsmodell 1:200 (Perimeter mit Bestandesbauten und unmittelbarer Umgebung)
Bautenkatalog Dreispitz (Ausbildung Sockel, Wand, Öffnungen, Dachabschluss, Material etc.)
Bestandesbauten Perimeter (Plandarstellung Umgebung, Grundrisse, Fassade, Strassenzug)

Analyse und Städtebau als Gruppenarbeit zu zweit:
Abgabe bis Fr 21.10.22, 1. ZK 01. / 02.11.22

Fokus Genossenschaftswohnen
-Analyse Städtebau (Morphologie, Adressierung, Wegnetz, Plätze, Hierarchie, Regeln etc.)
-Analyse Bestandesbauten Perimeter (Ausdruck, Struktur, Gliederung etc.)
-Vision des gemeinschaftlichen Wohnens dargestellt in einer Bildcollage
-Leitidee beschrieben in fünf Sätzen
-Strategie Nachhaltigkeit (zu als wesentlich begründeten Aspekten)
-These zum Städtebau im Plan und Modell 1:500 mit Aussagen zu Morphologie, Adressierung, Plätzen, Regelwerk

FOKUSPROJEKT 2

Einen Ort für 500 Bewohner*Innen

Die skizzierte Welt vom Fokusprojekt 1 bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung einer nachhaltig gestalteten Wohn- und Arbeitswelt für 500 Bewohner*Innen. In Einzelarbeit suchen wir nach innovativen Gesamtkonzepten mit geringem Flächenbedarf. Dabei orientieren wir uns an der Vision “Neustart Schweiz“.

Wir gehen den Fragen nach: Sind die Bedürfnisse einer Genossenschaft in einer zusammenhängenden Wohnmaschine oder in aufgeteilten einzelnen Gebäuden umsetzbar. Wie adressieren sich die Gebäudekörper. Wie unterscheidet sich zukünftig das Arbeiten vom Wohnen. Wie ist das Verhältnis von

Gemeinschaft und Privatsphäre. Wo sind die Aussenräume und mit welchen Funktionen
angeordnet. Lässt sich Infrastruktur teilen?

Braucht es eine Küche pro Wohneinheit? Braucht es Wohnzimmer? Lassen sich Grundrisstypologien entwickeln, die den Bedürfnissen von späteren Generationen einfach angepasst werden können oder gibt es bereits Wohnformen, die Generationen überleben? Welche Überlegungen zu Nachhaltigkeit werden dabei entwurfs- und gestaltprägend?

Kritisch reflektiert und angeregt von “Neustart Schweiz“ entsteht ein Quartier mit visionären Wohnformen, aneigenbaren Gemeinschaftsräumen und unterschiedlichsten Aussenräumen. Ein Versuchslabor des zukünftigen Wohnens mit dem Mut an der Nähe zum Scheitern. der Klimakrise erwarten wir innovative Gesamtkonzepte, die minimierte Energiebezüge ermöglichen und einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie einbeziehen.
Gemeinschaftswohnen als Einzelarbeit
Vorabgabe Layout bis Mo 02.01.23
Abgabe bis Mo 09.01.23

Abgabe als Einzelarbeit:
-Situationsmodell und Situationsplan 1:500
-Arbeitsmodell 1:200
-Projektpläne 1:200
-Räumliche Darstellung je Aussen und Innen als texturierte Strichzeichnung
-Konzeptdarstellung Flächeneffizienz, Erschliessung, Nachhaltigkeit
-Leitidee Städtebau, Typologie, Ausdruck, Nachhaltigkeit beschrieben in je fünf Sätzen.