FS25 – Das Potenzial der zweiten Reihe // Scheibler & Villard
Das Potenzial der zweiten Reihe
Bezugnehmend auf unser Jahresthema „In Between“ werden wir uns im kommenden Semester mit der Fragestellung der Weiterentwicklung des Zwischenraums beschäftigen. Die Untersuchungen des Masterstudiengangs vom vergangenen Herbstsemester dienen uns dabei als Grundlage.
Verschiedene Studien sagen unter anderem dem Schweizer Mittelland ein starkes Bevölkerungswachstum voraus. Es stellt sich also die Frage, wie mittelländische Orte mit oft dörflichen Strukturen verdichtet werden können, welche Bedeutung diese Verdichtung für das Selbstverständnis dieser Dorfstrukturen hat und wie man an diesen Orten wohnen wird.
Um diesen Fragen nachzugehen, werden wir die Gemeinde Egerkingen als Untersuchungsfeld bearbeiten. In einer ersten Analysephase ist eine Zusammenarbeit zwischen dem 2. und 3. Jahreskurs vorgesehen, sodass Studierende mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen zusammen den Ort weiterdenken. Während wir uns im 2. Jahreskurs anschließend erneut dem Thema Wohnen widmen dürfen, geht es im 3. Jahreskurs um ein Bildungszentrum mit Lehrwerkstätten.
Wie sich die Themen Wohnen und Bildung in das Siedlungsbild von Egerkingen integrieren und wie sich diese Nutzungen mit den vorhandenen Strukturen vernetzen könnten, wird uns intensiv beschäftigen und soll stellvertretend auch zum Weiterdenken an verwandten Orten anregen.
Als Erstes werden wir also in Gruppen zusammen mit dem 3. Jahreskurs den Ort und seinen Kontext analysieren. Ziel dieser Analyse ist es, den bereits im Masterstudiengang erarbeiteten Plan-Guide zu prüfen und verschiedene städtebauliche Strategien für die Weiterentwicklung dieses Ortes zu formulieren.
In einem zweiten Analyseschritt werden verschiedene potenzielle Wohnstandorte festgelegt. Dabei suchen wir für die zu entwickelnden Wohnbauten nach Parzellen, die sich jeweils in der zweiten Reihe entlang der Hauptachse von Egerkingen befinden.
Die noch freien Parzellen der vorhandenen Siedlungsstruktur in rückwärtigen Lagen besitzen in der Regel ein hohes Potenzial an bereits verfügbaren Qualitäten. Erschließungsmöglichkeiten, Identität und Freiräume versprechen eine gute Anbindung und Integration einer möglichen Verdichtung.
In Kleingruppen werden städtebauliche Ideenskizzen entwickelt, die danach individuell vertieft und ausformuliert werden.
Das Programm beinhaltet zwischen 40 und 60 Wohnungen mit einem Verteilschlüssel, der Einheiten von 1.5- bis 5.5-Zimmer-Wohnungen anbieten muss. Dabei wird eine selbst gewählte zusätzliche Wohngruppe für eine spezifische Nutzerschaft eine größere Einheit bespielen: z. B. eine Wohngemeinschaft für ältere Menschen mit Betreuung, Gruppenwohnen für beeinträchtigte Menschen oder Studierendenwohngemeinschaften etc. Wichtig dabei scheint uns, dass in denselben Strukturen sowohl kleine als auch große Einheiten Platz finden können, um so eine möglichst langlebige, resiliente und dadurch zukunftsfähige Gebäudestruktur anbieten zu können.
In einem Umfeld, in dem eine große Mehrheit das Wohnen im Einfamilienhaus als Wunschbild formulieren würde, müssen wir uns natürlich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie diese Wohnform in den verdichteten Wohnungsbau transformiert werden kann. Welche Attribute sind damit verknüpft, und können diese Attribute auch in den Geschosswohnungsbau übersetzt werden? Nachdem wir uns im Herbstsemester mit urbaneren Wohnformen beschäftigt haben, können wir nun im Frühlingssemester darüber diskutieren, inwiefern sich das Wohnen in einem weniger urbanen Kontext davon unterscheidet – z. B. in Bezug auf den individuellen Verkehr: Wohnen im „In-Between“ bedeutet sehr oft, dass man auf das private Auto angewiesen ist. Eine Verdichtung der Siedlung erfordert also auch zukunftsfähige Strategien für die Frage der Parkierung von Fahrzeugen.
Während sich im vergangenen Semester das Entwickeln eines architektonischen Entwurfs aus einer inneren Typologie abgeleitet hat, sollen die Studierenden nun mit ihren Entwürfen primär auf einen Ort oder einen Kontext reagieren und die Projekte sozusagen von außen nach innen entwickeln.
Dabei gilt es, sowohl den räumlichen und architektonischen als auch den konstruktiven Kontext zu berücksichtigen. Die Verfügbarkeit von Baumaterial sowie der Einbezug lokaler Bauweisen sollen integrale Bestandteile des Projekts sein und sich im konstruktiven Entwurf widerspiegeln.