Estelle Lippuner
D TSCHAABÄ
Das Dorf Leukerbad liegt im Zentrum eines Bergzirkus. Diese Lage im Herzen der Alpen ist
eine besondere Stärke des Ortes, die sich vor allem in der spektakulären Landschaft zeigt.
Das Dorf profitiert daher von einem breiten Potenzial für Freiluftaktivitäten, aber auch von
einer berauschenden Inspirationsquelle für alle künstlerischen Aktivitäten in einem alpinen
Kontext.
Postulat
Der Entwurfsansatz befasst sich mit der Entwicklung einer Künstlerresidenz im
Rathausgebäude, das derzeit untergenutzt ist. Dieses Postulat zielt darauf ab, die
intrinsischen Eigenschaften des Ortes sowie die Neuinterpretation seiner Geschichte, die eng
mit den Bergen verbunden ist, durch ein zeitgenössisches Programm hervorzuheben, das eine
soziale und wirtschaftliche Vielfalt in das Dorf bringt.
Drei wesentliche Eingriffe werden am bestehenden Gebäude vorgenommen. Sie
konkretisieren sich im Projekt durch die neue Konzeption von drei Dächern. Jedes dieser
Dächer ergibt sich aus der Lesart des Geländes, das in drei Streifen mit unterschiedlichen
Zwecken unterteilt ist. Nämlich eine infrastrukturelle Seite, die sich im Norden befindet, das
Hauptgebäude in der Mitte, sowie der Streifen, der mit dem Dorf interagiert, mit dem
öffentlichen Platz im Süden.Begegnungs- und Übergangsort in der Heterogenität des
Kontextes.
Drei Dächer
Der erste Eingriff besteht aus einem neuen Couvert. Es evoziert einen industriellen Charakter
und wellt sich gleichzeitig leicht entlang der Nordfassade. Das zweite Dach ist das des
Hauptgebäudes. Es beherbergt die Künstlerateliers. Das Dach öffnet sich explizit nach
Norden und bietet so optimales Tageslicht sowie einen ätherischen Blick auf die Berggipfel.
Die dritte Massnahme konzentriert sich auf den Bezug zum Dorf. Ein Stahlpavillon, der den
öffentlichen Strassenraum säumt, sucht das Gespräch mit dem Dorf. Ein leichtes Dach öffnet
sich zum Dorf hin und bietet einen Begegnungs- und Übergangsort in der Heterogenität des
Kontextes.
Erdgeschoss
Das Erdgeschoss verbindet den Busbahnhof und den öffentlichen Platz durch einen
gedeckten Durchgang. Es empfängt einige lokale Geschäfte, die den hinteren Garten des
Cafés beleben. Ein Foyer dient sowohl den Nebenfunktionen des Busterminals als auch als
Übergang zur Mehrzweckhalle, indem es ein Potenzial für räumliche Aneignung bietet.
Künstlerwohnungen
Die Künstlerwohnungen befinden sich im ersten Obergeschoss. Sie werden durch einen
generösen, abgehängten Laubengang erschlossen. Die Typologie der Wohnungen arbeitet in
Streifen und bietet so eine Abstufung der Intimität innerhalb der Wohnung. Die
Wohnbereiche der Wohnungen sowie die Gemeinschaftsbereiche orientieren sich zum
öffentlichen Raum im Süden. Im Norden befinden sich somit die privaten Rückzugsbereiche,
gegenüber der mächtigen Ruhe der Bergen.
Ateliers
Das zweite Obergeschoss zeigt eine umgekehrte Ausrichtung. Die Südseite ist der Ruhe
gewidmet und bietet einen Lern- und Forschungsbereich mit einer Fachbibliothek. Im
Gegensatz dazu ist die Nordseite dynamisch und bewegt mit grossen Werkstattbereichen. Die
Arbeitsbereiche können in kleinere Ateliers und Workshop-Räume unterteilt werden. Der
Blick öffnet sich explizit in Richtung der Berggipfel und abstrahiert den darunter liegenden
baulichen Kontext.