Ela Elmas

Framework 2050

Was kann Architektur leisten, wenn ihre Nutzung noch gar nicht bekannt ist? Wenn Programme sich schneller verändern als Gebäude, wenn gesellschaftliche, technologische und kulturelle Anforderungen permanent neu verhandelt werden? Anstatt zukünftige Funktionen zu entwerfen, setzt dieser Entwurf am Tramdepot Allschwilerstrasse auf eine andere Konstante: Infrastruktur.

Nicht der Raum, sondern seine Nutzbarkeit wird zur eigentlichen Entwurfsaufgabe. Der Bestand bleibt weitgehend unangetastet weder Aussenhalle noch Tragstruktur werden grundlegend verändert. Die Architektur des Depots wird nicht beschrieben, sondern als robuste, historisch gewachsene Realität akzeptiert. Neu hinzugefügt wird ausschliesslich das, was Wandel ermöglicht: Haustechnik. Ausgehend von einer Analyse möglicher Nutzungstypologien, öffentlich und privat, temporär und dauerhaft, werden deren Gemeinsamkeiten untersucht. Unabhängig von Inhalt oder Betrieb basieren alle Szenarien auf denselben technischen Voraussetzungen: Luft, Sicherheit, Medien, Energie, Bühnen- und Veranstaltungstechnik. Diese Anforderungen werden gebündelt und räumlich neu organisiert. Sechs mobile Techniksäulen docken an die vorhandene Infrastruktur des Depots an und bewegen sich entlang der historischen Schienen. In Kombination miteinander können die Säulen technische Inseln bilden, die autark definierte Bereiche versorgen: ein flexibel skalierbares Nutzungskonzept. So entstehen keine festgelegten, sondern universelle Räume: Hallen und Seitenschiffe, die unabhängig voneinander oder gemeinsam genutzt werden können. Die Seitenschiffe sind ganzjährig bespielbar, während die grosse Halle nach Bedarf aktiviert wird. Entlang der bestehenden Tragstruktur lassen sich Räume bei Bedarf durch textile Elemente zonieren, temporär und leicht rückbaubar. Statt ‘form follows function’ verfolgt der Entwurf ein offenes Prinzip, frei nach Mies: Form lässt viele Funktionen zu. Die einzige gebaute Realität der Intervention ist die Haustechnik als räumliches Rückgrat. Innerhalb dieser einen architektonischen Strategie sind unterschiedlichste Zukunftsszenarien möglich, ohne weitere bauliche Eingriffe. Das Gebäude bleibt in permanenter Metamorphose: nutzer*innenabhängig, zeitlich variabel, nie abgeschlossen.

In dieser Offenheit knüpft der Entwurf an Konzepte von Cedric Price und dem ‘Fun Palace’ an eine Architektur, die nicht repräsentiert, sondern reagiert. Ein Gebäude, das nicht vorgibt, was passieren soll, sondern die Voraussetzungen schafft, damit etwas passieren kann. So wird das Depot zu einem Gebäude im Zustand ständiger Veränderung. Eine Architektur, die nicht festlegt, sondern begleitet. Die sich anpasst, statt zu definieren. In Anlehnung an Cedric Prices ‘Fun Palace’ entsteht ein räumliches System, das auf Bedürfnisse reagiert und sich mit ihnen verändert, ein interaktives Gefüge zwischen Technik, Raum und Nutzung. Die einzige Konstante ist die Infrastruktur. Sie macht aus dem historischen Depot einen langlebigen, nachhaltigen Möglichkeitsraum. Einen Ort, der nicht für eine Zukunft gebaut ist, sondern für viele.