Elena Rodriguez
Eine Piazza für das Quartier
Der Entwurf untersucht, wie Mobilitätsinfrastruktur als räumlicher und sozialer Impulsgeber zur Identitätsbildung eines Quartiers beitragen kann. Am Standort des Tramdepots Morgartenring entsteht ein Neubau, der als Schnittstelle zwischen öffentlichem Raum, Mobilität und Wohnen fungiert und das Areal zu einem lebendigen Quartierszentrum aktiviert. Der Neubau besteht aus einem zentralen Volumen, das direkt an das Tramdepot angebunden ist. Zwei vorgelagerte Stahlschichten strukturieren das Gebäude: eine Laubengangschicht als gemeinschaftliche Erschließungs- und Begegnungszone sowie eine Balkonschicht mit höherem Grad an Privatheit. Diese räumliche Schichtung organisiert den Übergang von privaten Wohnbereichen zu öffentlich zugänglichen Zonen und fördert unterschiedliche Formen von Nachbarschaft und Aneignung. Das Erdgeschoss bildet eine durchgehende, offene Halle mit öffentlichen Nutzungen wie Ausstellungen, Konzerten und Veranstaltungen, die sich flexibel mit den Nutzungen des Bestands verzahnen. Der gesamte Sockel wird als zusammenhängender Stadtraum verstanden – eine Piazza mit unterschiedlichen Abfolgen und Atmosphären. Im ersten Obergeschoss befinden sich öffentlich zugängliche Co-Working-Bereiche, während die oberen Geschosse Wohnungen aufnehmen. Die Wohnungen sind als durchgesteckte Grundrisse konzipiert und profitieren von der räumlichen Differenzierung zwischen gemeinschaftlichen und privaten Außenräumen.
Das bestehende Tramdepot wird tagsüber in eine flexible, öffentlich zugängliche Nutzungszone transformiert. Temporäre Märkte, Skateflächen und wechselnde Ausstellungen aktivieren die Hallenfläche und öffnen das Areal für die Nachbarschaft. Die bisherige Waschstraße wird rückgebaut und in öffentliche Werkstätten umgenutzt, wodurch das Nutzungsspektrum erweitert und die Ausstellungsflächen räumlich ergänzt werden. Die bestehende BVB-Werkstatt bleibt am Standort erhalten, wird jedoch flächenmäßig reduziert. Durch diese Neuorganisation entsteht eine enge räumliche und programmatische Verknüpfung zwischen Tramdepot, neuer Halle und Piazza, die den Austausch zwischen Quartier und Infrastruktur stärkt. Der Außenraum setzt sich als kontinuierlicher Platz fort und erweitert die Nutzungen der bestehenden und neuen Halle. In Verbindung mit der neuen S-Bahn-Station entsteht ein identitätsstiftender Begegnungsort, der Mobilität, Öffentlichkeit und Wohnen verknüpft und dem Quartier einen neuen sozialen Mittelpunkt verleiht.