Kevin Guida
AUSGANGSLAGE
Die infrage gestellte Überbauung liegt am Grossbasler Rheinufer im Norden Basels, auf der Südseite der Dreirosenbrücke. Das Konglomerat aus Häusern besteht aus dem von Walter Wurster 1988 erbauten Wohngebäude, einem Restaurationsbetrieb inklusive Saal und Einliegerwohnung sowie den Reihenmietshäusern von Vischer + Weber +Partner Architekten. Fokussiert wird in dieser Arbeit auf den Umbau und die Sanierung des Wohnhauses an der Mülhauserstrasse 17. Die Liegenschaft ist Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel. Die umliegenden Grundstücke sind ebenfalls weitge-hend im Eigentum der Einwohnergemeinde und teilweise im Baurecht verpachtet. Auseiner von der Eigentümerin (Stadt Basel) getätigten Zustandsanalyse geht hervor, dass in den nächsten Jahren ein strategischer Entscheid zur Weiterentwicklung der Immobilie „Rhypark“ ab dem Jahr 2020 gefällt werden sollte, da ab diesem Zeitpunkt umfassende Instandsetzungsmaßnahmen notwendig werden. Blickt man auf den Schwarzplan, wird ersichtlich, dass das Haus als Schlussstein des Gevierts eine wichtige Rolle einnimmt. Als Vermittler zwischen dem öffentlichen Raum entlang des Rheins und dem dahinter liegenden Quartier muss das zum hässlichsten Haus Basels prämierte Gebäude einen formalen Neustart wagen. Als Wohnmaschine bietet es zwar bezahlbaren Wohnraum für viele Menschen, jedoch sind die Wohnungen fast aus- schließlich zu groß und von zu wenig Personen bewohnt. Eine innere Verdichtung im Haus wird bei der Neuplanung angestrebt. Publikumsorientierte Nutzungen rund um das Haus, in Kombination mit halböffentlichen Erdgeschossnutzungen im Wohnhaus, sollen zur Revitalisierung des Ortes führen.
VERDICHTUNG NACH INNEN
Das Ziel des Umbauentwurfs am Wohnhaus am Elsässerrheinweg ist es, dessen Nutzung zeitgemäß zu gestalten. Um mehr Wohnraum für weitere Parteien zu schaffen, müssen die mehrheitlich großen Wohnungen verkleinert und neu konzipiert werden. Das Haus, das heute fast gänzlich zum Rhein hin ausgerichtet ist, erhält eine neue Logik, sodass durch eine Drehung der Wohntypologien und die Erweiterung durchgesteckter Wohnungstypen die Quartiersseite aktiviert werden kann. Bei der Neukonzeption des Hauses wird darauf geachtet, die wichtige Schottenstruktur beizubehalten und räumlich zu thematisieren. Lediglich Leichtbau- und nichttragende Bauteile werden rückgebaut. Neue Wohnungstypen werden so zu sagen in den Bestand „eingehackt“. Die bestehende Kompaktfassade wurde 1988 aufgrund des Lärmschutzes zur Straße hin geplant. Seit Mitte der 90er Jahre wurde der Autobahnzubringer der Müllhauserstraße aufgelöst, sodass eine Weiterentwicklung der Fassade möglich ist. Diese kann also im Zuge der thermischen Sanierung offener gestaltet werden. Ein neu dem Haus voran- gestellter Außenraum scheint denkbar. Eine gemeinschaftliche Terrasse kombiniert mit einem Laubengang belebt nicht nur die heutige „Rückseite“, sondern bietet auch einen baulichen Sonnenschutz, der laut Angaben der Mieter auf der Westfassade dringend benötigt wird. Der zusätzlich entstehende Außenraum hin zum Quartier ermöglicht die Belebung der heute „toten“ Seite. Durch das Auflösen einer Vielzahl von Treppenkernen wird Raum auf den Geschossen freigespielt, der für gemeinschaftliche Nutzungen wie Proberäume, Waschküchen, Ateliers und vieles mehr genutzt werden kann. Die drei belassenen Treppenhäuser weisen neu eine zwittrige Erschließung des Hauses auf. Über eine innenliegende Treppe gelangt man in die Kellergeschosse und den ersten Stock. Von dort aus befindet sich die Erschließung zu Fuß im Außenbereich. Horizontal wie vertikal muss das Haus über die Laube erschlossen werden. Die Liftkerne bleiben bestehen und werden behindertengerecht ausgeführt. Ein weiteres Manko wird in den heute bestehenden ganzheitlich geschlossenen Stirnfassaden ausgemacht. Diese werden hin zum Novartis-Campus um einen weiteren „Hausteil“ ergänzt. Durch die zum Bestand hin abgedrehte Tragstruktur kann die Ergänzung zur Brücke hin geöffnet ausformuliert werden. Die Stirnseite zum St. Johannspark hin wird, wo strukturell möglich, geöffnet und bildet den Auftakt zur vollverglasten Rheinfassade. Der Bestand, der über keine horizontale Unterteilung verfügt, wird durch das „um die Ecke ziehen“ der vorgelagerten Schicht, hier als Abwandlung eines „französischen Balkons“ ausgeführt, entlang der Rhein- und Stirnfassaden neu gegliedert. Die Bänder um- spannen den gesamten Komplex, und die herausstehenden Balkone sollen zum einen die bestehende Logik der Tragstruktur formal von außen ablesbar machen und zum anderen den Komplex vertikal gliedern. Im Erdgeschoss wird eine zusätzliche Passage ergänzt, die unter dem Haus hindurchführt. In den heute leerstehenden Erdgeschosswohnungen werden diverse gemeinschaftliche Nutzungen integriert, die den Mieter zugutekommen. So verfügt das Haus neu über ein Spielzimmer, eine Gemeinschaftsküche sowie zumietbare Büros und Ateliers.