Thorsten Beythien
LIVING AT THE GREEN STRIP
Meine Motivation war es auf die Gegebenheiten des Ortes einzugehen und dessen Qualitäten beizubehalten und zu verbessern. Gleichzeit war es meine Absicht Lösungen zu finden welche die Mängel des Quartiers beseitigen. Eines der grössten Probleme ist dabei der Lärmschutz, sowie der fehlende Bezug zum Fussgängerweg der parallel zur Strasse hin verläuft. Mir war es zudem ein grosses Anliegen viele der alten Bäume stehen zu lassen und einen Entwurf zu entwickeln der genau darauf eingeht.
Bei den Nutzungen war es mir wichtig, dass die neu geplanten Bauten primär als Wohngebäude den Bestand ergänzen. Handel und Gewerbe sollen so an einem Ort, im Süden der Parzelle, ihren Platz finden. Ziel ist es als Einheit das fehlende Quartierzentrum zu bilden und einen Ort mit Aufenthaltsqualität zu schaffen.
Das Projekt besteht aus drei Eingriffen. Punktbauten zum Strassenende des Hofes, eine Aufstockung mit separater Erschliessung und einem komplett neu geplanten Quartierzentrum. Jeweils ein Punktbau mit einem Bestandsbau bildet eine neue Einheit. Über einen Sockel, der sich auf Strassenniveau befindet, werden die Punktbauten und die Aufstockung erschlossen. Eine Kolonnade bildet dabei das verbindende Element und dient gleichzeitig als Eingangsbereich und Fahrradunterstand. Über eine parallellaufende Treppe werden die Erschliessungswege der bestehenden Gebäude mit dem Sockel und dem parallel zur Strasse verlaufenden Fussgängerweg verbunden.
Die Aufstockung erhält an der nordwestlichen Stirnfassade eine separate vertikale Erschliessung und ist somit komplett vom Bestand getrennt. Auch konstruktionstechnisch sind Bestand und Aufstockung separiert. Betonbänder und Scheiben an der Fassade des Bestandes gewehrleisten die Erdbebensicherheit und bilden das Fundament für die Aufstockung. Dessen Lasten werden über 1 Meter hohe Betonträger und ein rundherumlaufendes Band auf die neuen Betonstützen- und scheiben übertragen. Der Bestand hält dabei nur sich selbst und kann ohne grössere Eingriffe seine bestehenden Qualitäten beibehalten. Die Aufstockung selbst ist ein brauner Holzbau mit einer vertikalen Gliederung, welcher sich nicht an der Fassadengliederung des Bestandes orientiert und die Eigenständigkeit so nochmals stärker zum Ausdruck bringt. Über einen 3.5m tiefen Laubengang im oberen Geschoss gelangt man in die Duplex-Wohnungen, welche immer über die Küche erschlossen werden. Im unteren Geschoss befindet sich dann der privatere Wohnraum mit einem kleineren Balkon.
Die Wohnungen der Punktbauten werden über ein zentralliegendes Treppenhaus erschlossen. Trotz Zweispänner sind die Wohnungen so geplant, dass es unterschiedliche Wohnungstypologien gibt. Eine Duplex-Wohnung und ein Schaltzimmer ermöglichen es dadurch 5 verschiedene Wohngrössen von einer 1.5 Zimmer- bis hin zu einer 5.5 Zimmerwohnung anzubieten. Gleichzeitig besitzt jede Wohnung einen gleichwertigen Aussenbereich zum Hof hin. Die Punktbauten haben, wie die Aufstockung, eine dunkle Holzverkleidung. Das Gebäude wird zudem durch Betonelemente horizontal gegliedert. Das Strassen- sowie das Gartengeschoss bilden den Sockel des Gebäudes und sind deshalb komplett in Beton gehalten.
Das Konglomerat des neuen Quartierzentrums ist parallel zur Eckhölzlistrasse orientiert. Es besteht aus einer neuen Migros, einem Wohnturm mit Erdgeschossnutzung und einem Pavillon, in deren Mitte sich ein befestigter Platz befindet. Zur Muristrasse hin wird der Platz durch eine kleine Grünfläche mit einem neuen Baumbestand ergänzt.
Sophie Taeuber-Arp gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen des letzten Jahrhunderts. Ihre Arbeiten sind äusserst vielschichtig und haben die Abstrakte Kunst stark geprägt. Sie vereint die unterschiedlichsten Kunstformen wie Tanz, Innenraumgestaltung, Malerei und skulpturales Arbeiten auf eine spannende einzigartige Art und Weise wie keine Zweite. Sie arbeitete ausserdem als Möbeldesignerin und Innenarchitektin und schaffte es einen eigenen Stil in jeder dieser künstlerischen Ausdrucksformen zu manifestieren. Obwohl Sie Pionierdienste für die abstrakte Kunst leistete und sogar für mehrere Jahre die 50 Franken Note zierte, ist es bedauerlich, dass sie eine eher weniger bekannte Künstlerin war. Das Ziel dieser Theoriearbeit ist, anhand des Werkes «Kaffeehaus» einen genaueren Eindruck über sie und ihre Arbeit als Künstlerin wiedergeben. Ich berücksichtige in dieser Arbeit nicht nur dieses Gemälde, sondern erkläre auch im Vergleich mit anderen Werken, wie geschickt sie mit der Abstraktion umgehen konnte.
Ein Thema für die Theoriearbeit im Bereich Kunst zu suchen machte mir Anfangs einige Schwierigkeiten. Ich war mir nicht im Klaren über was ich genau schreiben wollte. Obwohl mir viele Ideen in den Sinn kamen, war es jedoch schwer sich darunter ein genaues Thema vorzustellen. In einem nächsten Schritt entschloss ich mich erstmal auf einen Künstler und anschliessend auf ein Werk festzulegen, um mich etwas einzugrenzen. Ein Besuch in den Kunstmuseen von Basel half mir dabei. Die Ausstellung «Gelebte Abstraktion» über das Leben und die Arbeiten von Sophie Taeuber- Arp begeisterten mich so sehr, dass schnell klar wurde, dass ich eines ihrer Werke für meine Theoriearbeit vertieft betrachten werde. Die vielfältige und diverse Sammlung bot viele Möglichkeiten der Auswahl. Während der erste Teil der Ausstellung mehr Ihre kunsthandwerklichen Arbeiten zeigte, wie diverse Stickereien oder die bekannten Dadaköpfe, befasste sich der zweite Teil der Ausstellung mit Werken aus ihrer Tätigkeit als freischaffende Künstlerin. Im Übergangsbereich zwischen diesen beiden Teilen wurde in einem separaten Raum eine sehr spannende Zeit von Sophie Taeuber-Arp gezeigt, in der sie vertieft als Innenarchitektin tätig war. In dieser Zeit, ende der 20er Jahre, löste sie sich vom Kunsthandwerk und ihre Tätigkeit als freischaffende Künstlerin gewann zunehmend immer mehr an Bedeutung. Direkt am Anfang des zweiten Teils der Ausstellung, entdeckte ich das Bild «Café» «Kaffeehaus».
Besonders aufgefallen ist mir bei diesem Werk die farbliche Komponente in Zusammenhang mit den schlichten geometrischen Figuren sowie das einfache Motiv, das trotz grosser Abstraktion und starkem Interpretationsspielraum gut erkennbar ist. Je länger ich jedoch das Gemälde betrachtete, umso herausfordernder fand ich das Motiv genau zu deuten. Die reine visuelle Ästhetik und der doch starke Interpretationsspielraum sind folglich die Gründe weshalb mir dieses Werk so gut gefällt und ich es vertieft betrachten werde.