Sport Depot – Ein polysportives Busdepot

Im kommenden Semester widmen wir uns ganz dem Jahresthema ‹In-Between›. Es wird dabei um die Fragen der Agglomeration und des bebauten wie unbebauten ‹Dazwischens› gehen.

Wenn wir über Agglomerationen sprechen, sprechen wir immer auch über Verkehr, denn für Arbeiten, Einkaufen und Freizeit müssen häufig grössere Strecken zurückgelegt werden. Eine Schlüsselrolle für die Bereitstellung einer emissionsarmen und nachhaltigen Infrastruktur spielt dabei der öffentliche Nahverkehr mit Bus und Bahn. Die Elektrifizierung dieses Nahverkehrs erfordert neue Ladeinfrastrukturen für Elektrobusse und eine Erhöhung der Anzahl der Busse. Der Bau eines mehrgeschossigen Depot-Gebäudes an verkehrstechnisch geeigneter Lage ermöglicht ein einfaches Laden, Reinigen und Reparieren der Busse. Durch eine gut erschlossene Lage im Agglomerationsraum bietet das Depot zusätzlich die Möglichkeit einer Nutzungsüberlagerung mit ergänzenden Programmen. In unserem konkreten Fall soll gleichzeitig auch ein Zentrum für Sport geschaffen werden und insbesondere der Bevölkerung der angrenzenden Wohn- und Industriegebiete als Freizeitangebot und sozialer Treffpunkt dienen.

Analog zum Neubau der Garage Rank (BVB) in Basel ist auch mit einer Transformation des BLT-Hauptstandorts ‹Hüslimatt› für die Busbetriebe von Basel-Landschaft zu rechnen. Der ins Auge gefasste Standort liegt zwischen den Ortschaften Oberwil und Therwil im Gewerbegebiet ‹Mühlematt›, auch dies ein Ort ‹dazwischen›. Durch die neue Antriebstechnik der Elektrobusse muss in Zukunft mit mehr Fahrzeugen gerechnet werden, und das Laden erfordert eine zusätzliche Infrastruktur. Ziel der Projektarbeit ist es, ein quartiersoffenes Gebäude zu schaffen, welches nicht als anonymer technischer Bau in Erscheinung tritt, sondern durch seine ergänzenden öffentlichen Nutzungen das gesamte Entwicklungsgebiet ‹Mühlematt› positiv beeinflussen und die Verknüpfung der Gemeinden Therwil und Oberwil stärken kann.

Nebst der Hauptfunktion als Bus-Depot wird das Gebäude durch das Programm eines polysportiven Zentrums ergänzt. Durch die neuen Nutzungen soll eine Attraktivitätssteigerung des Standorts, ein zusätzliches Freizeitangebot und ein Treffpunkt im Quartier entstehen. Neben der Sicherstellung eines reibungslosen Betriebs des Busdepots und der sportlichen Anlagen soll nach Synergieeffekten zwischen Infrastruktur und öffentlicher Nutzung gesucht werden (z.B. Nutzung der Abwärme des Ladeprozess etc.).

Dabei sollen innovative und zukunftsweisende Projekt entstehen, welche sowohl den öffentlichen Verkehr als auch die Lebensqualität der Bevölkerung nachhaltig verbessern.

Jeweils zwei Studierende erarbeiten in einer Gruppenarbeit ein Projekt für den geforderten Hybrid aus Infrastruktur und Sporttempel. Dabei sollen die Erkenntnisse aus den beiden Vorübungen als reicher Fundus dienen und in die individuellen Entwürfe einfliessen. Bei der Entwicklung der Projekte ist ein besonderer Wert auf die Bedeutung des Gebäudes als ‹Social Condenser› zu legen und sowohl eine überzeugende Anbindung an den öffentlichen Raum sicher zu stellen wie auch eine Haltung gegenüber dem angrenzenden, meist landwirtschaftlich genutzten Landschaftsraum zu entwickeln. Die Nutzungsmischung aus Infrastruktur und Sport soll zum Anlass genommen werden experimentelle Tragwerke mit hoher Lastaufnahme und grossen Spannweiten zu entwickeln. Dabei soll das volle Spektrum der Möglichkeiten von Holz bis Stahl, von Lehm bis Beton untersucht werden. Die Tragstruktur soll weitergehend nutzungsneutral und grosszügig ausgelegt sein, damit spätere Nutzungsanpassungen möglich sind.

Auf diesem anspruchsvollen Weg werden uns Expert:innen für Statik und Nachhaltigkeit begleiten. Auch die Entwicklung von intelligenten Konzepten für die Gebäudetechnik und die Gebäudehülle sind gefragt: Untersucht werden sollen die sinnvolle Anordnung von Technikzentralen, durchdachte Lüftungskonzepte, die Erzeugung von Eigenstrom über Fassade und Dach, die Möglichkeit von Fassadenbegrünungen und Dachgärten, aber auch weitere Massnahmen zur Hitzeminderung und Förderung der Biodiversität.

Buswaschanlage © Christ
Lines © Javier Balseiro
Strip © Micha Ringger