Semesterprogramm

FOOD FACTORY

FEED THE CITY

Das Land hat die Roherzeugnisse – die Stadt hat die Kapazität und Infrastruktur zur Verarbeitung sowie die Bevölkerung als Abnehmer:in und Konsument:in. Im Raum Basel werden Lebensmittel erzeugt, verarbeitet und konsumiert. Die städtische Produktion von Lebensmitteln aus den Erzeugnissen des direkten Umlandes ist eine vielversprechende Möglichkeit, die Ernährungssicherheit zu verbessern, die Umweltauswirkungen zu verringern und die lokale Wirtschaft zu stärken. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Planer:innen, Hersteller:innen, Verarbeiter:innen und Verbraucher:innen können diese Potenziale erfolgreich erschlossen werden. Eine «Food Factory» mitten in der Stadt soll diese Potenziale bündeln, die Arbeitsprozesse an einem Ort konzentrieren und für Besucher:innen sicht- und erlebbar machen. Dabei soll der ganze Kreislauf von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Konsum und der Verwertung der Abfälle möglichst vollständig integriert werden. Die Studierenden erarbeiten in 2er-Gruppen Konzepte für die Produktion bis zum Vertrieb von Lebensmitteln und erforschen zugleich die Schnittstelle zu möglichen öffentlichen Nutzungen wie Gastronomie oder Forschung.

Areal Geigy im Rosental-Quartier

Das ehemalige Werkareal Rosental gilt als älteste erhaltene Stätte der chemischen Produktion in Basel und war Stammsitz der Firma Geigy und Produktionsort für künstliche Farbstoffe. Das heute von der Stadt abgeschlossene Firmen- und Forschungsareal soll zukünftig in einen multifunktionalen Stadtteil transformiert werden, an welchem Wohnen, Arbeiten, Forschen, Freizeit und Sport vereint sind. Neben neuen Hochpunkten auf dem Areal verfolgt das städtische Leitbild auch den Erhalt von Bestandsbauten.

Farbstoff-Packmagazin

Eine dieser erhaltenswerten Bauten ist der Bau 1055. Diese für den Ort charakteristische, robuste Struktur befindet sich auf dem Werkareal Rosental und wurde Ende der 1950er-Jahre durch Burckhardt Partner geplant und als Farbstoff-Packmagazin mit zwei Untergeschossen, einem Erdgeschoss, sechs Obergeschossen sowie einem zurückgesetzten Attikageschoss erstellt. Die Gebäudemasse betragen 55 x 55 x 32 Meter. Die hohe Gebäudetiefe birgt die Problematik der Belichtung in sich, welche in einer Umnutzung gelöst werden müsste. So sind momentan nur ca. 60% der Flächen natürlich belichtet. Das Packmagazin besteht aus einer massiven Stahlbeton-Struktur mit Lastreserven. Gemäss statischen Untersuchen könnte das Gebäude mit max. zwei Geschossen aufgestockt werden.

Nachhaltigkeit

Auf diesem anspruchsvollen Weg werden uns Expert:innen für Statik und Nachhaltigkeit begleiten. Auch die Entwicklung von intelligenten Konzepten für die Gebäudetechnik und die Gebäudehülle sind gefragt. Untersucht werden die sinnvolle Anordnung von Technikzentralen, durchdachte Lüftungskonzepte, die Erzeugung von Eigenstrom über Fassade und Dach, die Möglichkeit von Fassadenbegrünungen und Dachgärten sowie weitere Massnahmen zur Hitzeminderung und Förderung der Biodiversität.

Analyse: Prozesse
Während der ersten drei Semesterwochen werden wir verschiedene Verarbeitungsbetriebe im Raum Basel besuchen, ihre Anlagen und Prozesse analysieren und dokumentieren. Daraus werden wir ein Gefühl für Prozesse, Grössen und Proportionen entwickeln und im übergeordneten Erstellungskreislauf verorten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen werden wir Betriebe aus den Sparten ‹Milch›, ‹Getreide› und ‹Früchte/ Gemüse› in die ‹Food Factory› integrieren.

Vorübung: Volumen
Gleichzeitig zu der Analyse der Prozesse beginnen wir mit einer Vorübung, um eine übergreifende Idee für eine Programmation und Erschliessung in den Dimensionen des Bestandes zu entwickeln. Die Szenografie einer öffentlichen Durchwegung steht im Mittelpunkt. Gesucht werden spezifisch spannende Räume und Abfolgen. Ein vereinfachtes Raumprogramm soll in einem Kubus mit bestimmten Abmessungen durch eine Erschliessungsfigur verbunden und entworfen werden.

Aufgabenstellung
Jeweils zwei Studierende erarbeiten ein vollständiges Umbauprojekt für das Pack- magazin. Dabei sollen die Erkenntnisse aus den beiden Vorübungen als reicher Fundus dienen und in die individuellen ‹Food Factories› einfliessen. Die Gruppen entscheiden sich im Vorfeld für eines der drei Themen ‹Milch›, ‹Getreide› oder ‹Früchte/Gemüse› und richten ihr Konzept ausschliesslich darauf aus. Bei der Entwicklung der Projekte ist ein besonderer Wert auf die öffentliche Erschliessung zu legen, um möglichst viele Prozesse erfahrbar und zugänglich zu machen. Ziel ist ein Bewusstseinmachen der komplexen Prozesse und Abläufe, welche hinter der Nahrungsmittelproduktion stehen, und diese Sensibilisierung soll zu mehr Nachhaltigkeit in Produktion und Konsum von Lebensmitteln führen.

Public Market in Seattle, 2010, cc Ana Belén Ramón
Innennbild Farbstoffmagazin L55, ca. 1961 © Firmenarchiv der Novartis AG
Blick vom ehemaligen Hochhaus Rosental gegen Westen, 1960 © Firmenarchiv der Novartis AG
Innennbild Bau 1055, 2023, © FHNW