LEHRWERKSTATT – Ein integrative Zentrum für Egerkingen

Im Frühjahrssemester 2025 widmen wir uns im Rahmen des Jahresthemas ‹In-Between› dem Mittelland. Entlang der Aare – zwischen Aarau und Solothurn – reiht sich heute ein dichtes Netz aus Ortschaften und Dörfern, begleitet durch Infrastrukturlinien wie die Bahn und die Autobahn A1. Die einstige Kornkammer der Schweiz ist heute weit mehr als ein landwirtschaftlich geprägter Raum: Durch Industrie und Logistik sind die Siedlungen stetig gewachsen und haben ihre Struktur stark verändert.
Diesen Wandel und damit das bebaute und unbebaute ‹Dazwischen› wollen wir untersuchen. Dabei werden die Ursachen erforscht, die Entwicklungsschritte analysiert und die notwendigen neuen Impulse definiert.
Egerkingen am Jurasüdfuss ist einer dieser Orte, die sich im Wandel befinden. Einst ein beschauliches Dorf, hat es sich mit dem Bau der Bahnlinie Olten-Solothurn (1876: Gäubahn) und dem Bau der Autobahnen A1 und A2 (1967) laufend verändert und weist heute dörfliche, städtische und industrielle Elemente auf. Die Gemeinde mit 4’300 Einwohner:innen ist nach wie vor landwirtschaftlich geprägt, weit wichtiger sind inzwischen jedoch die gewerblichen Strukturen mit über 3’400 Beschäftigten in 290 Betrieben. Vom ursprünglichen Dorfkern mit der Kirche St. Martin im Norden hat sich Egerkingen zunehmend in Richtung Bahnhof im Süden und seitlich in die Ebene hinaus entwickelt.

Die Analysearbeit des Masterstudiengangs vom Herbstsemester dient uns als Ausgangslage, um unsere Strategien für den Ort zu entwickeln. Unsere Intervention vor Ort erfolgt in Form eines neuen öffentlichen Gebäudes. Dieses soll das Bestehende stärken und gleichzeitig neue Impulse für Egerkingen generieren. In einer ersten Analysephase ist eine Zusammenarbeit zwischen dem 2. und 3. Jahreskurs vorgesehen, um gemeinsam den Ort mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten weiterzudenken. Während wir uns im 3. Jahreskurs mit dem Thema eines integrativen Bildungszentrums mit Lehrwerkstätten beschäftigen, steht im 2. Jahreskurs das Thema Wohnen im Zentrum.

Wie sich die beiden Themen Wohnen und Bildung in das Siedlungsbild von Egerkingen integrieren lassen und wie sich diese Nutzungen mit den bestehenden Strukturen vernetzen könnten, wird uns intensiv beschäftigen und soll exemplarisch auch zum Weiterdenken an verwandten Orten anregen.
Gemeinsam mit dem 2. Jahreskurs werden wir in Gruppen den Ort und seinen Kontext analysieren. Ziel dieser Analyse ist es, unter Berücksichtigung des vom Masterkurs erarbeiteten Plan-Guides, gemeinsam verschiedene städtebauliche Strategien für die Weiterentwicklung des Ortes zu formulieren.
Auf Basis dieser ersten Auseinandersetzung werden potenzielle Standorte für die Verdichtung mit Wohnen und für das Bildungszentrum definiert.
Das geplante integrative Ausbildungszentrum mit Lehrwerkstätten soll Vollzeitausbildungen in gewerblich-industriellen Berufen anbieten. Damit sollen einerseits die Integration von jungen Geflüchteten gefördert werden, andererseits aber auch Synergien mit dem Ort und der Gemeinde entstehen. Ein wichtiges Element ist die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Die Berufsschule soll daher nicht nur klassische Unterrichtsräume bieten, sondern auch Werkstätten, in denen die Auszubildenden praktische Übungen durchführen können. Je nach Analyse, Standort und Konzept kann die Fachrichtung für den Entwurf individuell gewählt werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Projektentwicklung ist die Nachhaltigkeit. Diese soll in Gruppen hinsichtlich ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekte untersucht und in eine gemeinsame Strategie überführt werden.

Lehrlinge, Werkzeugmechaniker, 1980 © Comet Photo AG, ETH Bildarchiv
Ausbildunsgzentrum Gordola, Durisch Nolli, 2010 © David Willen, Studio Willen
Autobahn A1 und A2 (im Bau) im Raume Egerkingen, 1967 © Comet Photo AG, ETH Bildarchiv