Noah Bartholomäus
Entwurf: Noah Bartholomäus
“WOHNKULTUR”
Der Entwurf versteht sich als räumliche und funktionale Überlagerung von Kultur und alltäglicher Nutzung – ein hybrides Gefüge, das sich bewusst an der architektonischen Haltung von Renzo Piano orientiert und inhaltlich Anleihen beim Kunstkraftwerk Leipzig nimmt. Im Zentrum steht dabei nicht die Trennung, sondern die produktive Durchmischung unterschiedlicher Programme innerhalb einer klar strukturierten baulichen Ordnung.
Prägendes Element ist die massive, fensterlose Nordwand, die als Rückgrat des Gebäudes fungiert. Sie bildet. eine bewusst introvertierte Zone, an der sich über die ersten vier Geschosse jene Nutzungen anlagern, die wenig bis kein Tageslicht benötigen: Kunstausstellungen, Theaterbereiche und eine Brauerei. Diese dunkleren Programme profitieren von der robusten, geschlossenen Struktur und entwickeln entlang der Wand eine dichte, atmosphärisch kontrollierte Raumfolge. Die Wand wird damit nicht nur zur statischen, sondern auch zur programmatischen Trägerstruktur.
Darüber, in den oberen Geschossen, vollzieht sich ein Wechsel hin zu einer offeneren, lichtdurchfluteten Wohnnutzung. Die Wohnungen reagieren auf das bestehende Tragwerk und entwickeln eine spezifische räumliche Typologie: Die Küche organisiert sich jeweils um eine Stütze und bildet dabei ein sechseckiges Zentrum innerhalb des Grundrisses. Dieses Motiv erzeugt eine klare innere Ordnung und macht die Struktur des Gebäudes im Alltag der Bewohner unmittelbar erfahrbar.
Ein wesentliches gestalterisches Prinzip liegt in der Sichtbarmachung der technischen Infrastruktur. Die haustechnischen Leitungen der kulturellen Nutzungen werden entlang der massiven Nordwand außenliegend nach oben geführt und bewusst exponiert. Sie zeichnen die vertikale Erschließung der Funktionen nach und verleihen der Fassade eine technische, fast industrielle Ausdruckskraft. Im Gegensatz dazu werden die Leitungen für die Wohnungen entlang der bestehenden Schächte neben den Stützen geführt. Auch hier wird auf Verkleidung verzichtet: Die Technik bleibt sichtbar und knüpft an den Bestand an, wodurch Alt und Neu.
So entsteht ein Gebäude, das seine unterschiedlichen Nutzungen nicht versteckt, sondern offenlegt. Die Mischung aus Kultur und Wohnen wird räumlich, konstruktiv und atmosphärisch erfahrbar – als ein lebendiger Organismus, der sich zwischen Introversion und Offenheit, Masse und Leichtigkeit, Bestand und Intervention bewegt.